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Ein Leben für die Musikschule: Helmut Karas in den Ruhestand verabschiedet

Bensheim | 17. April 2026 Ein Leben im Takt der Musikschule: Das ist bei Helmut Karas keine Floskel, sondern schlichtweg Fakt. Der langjährige Leiter kam Mitte der 1970er Jahre als Schüler an die städtische Einrichtung, die damals noch als Verein geführt wurde. Er lernte Schlagzeug – ein Instrument, das ihn seither beruflich wie privat begleitet.

Am Donnerstag wurde der 64-Jährige im Magistratssaal zwar nicht mit Pauken und Trompeten, dafür mit vielen würdigenden und lobenden Worten in den Ruhestand verabschiedet. Wobei „seine“ Musikschule auch künftig nicht gänzlich auf ihn verzichten muss. Auf Honorarbasis wird er dem Kollegium als Lehrer erhalten bleiben.

Als Lehrkraft fing der Bensheimer auch 1986 an der Musikschule an. Noch während des Studiums an der Musikhochschule Mannheim „erhielt ich einen Anruf, dass dringend ein Schlagzeuglehrer gebraucht wird“, blickte Karas zurück. Er sagte zu und legte damit den Grundstein für eine herausragende Karriere. Elf Jahre später folgte die kommissarische Leitung, von 1999 an war Helmut Karas offiziell Leiter der Musikschule – und „das mit ganzem Herzen“, betonte Thomas Herborn, Leiter des Eigenbetriebs Stadtkultur. Vier Jahrzehnte im Dienst der Musik, der Bildung und der Stadt Bensheim, das sei alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

„Unter ihrer Leitung hat sich die Musikschule zu einer der ersten Adressen entwickelt. Die Schülerzahlen sind seit Jahren stabil auf hohem Niveau. Und das erfolgreiche Abschneiden unserer Schülerinnen und Schüler bei Wettbewerben in Land und Bund spricht für sich“, so Herborn. Das sei alles kein Zufall, sondern das Ergebnis von großem Engagement, von einer guten Führung und einem klaren Blick für Qualität. Gefragt waren allerdings auch seine Qualitäten als Krisenmanager.

Während der Corona-Pandemie, die die Musikschule vor existenzielle Herausforderungen stellte, musste vieles neu gedacht, improvisiert und digital umgesetzt werden. Energie- und Wirtschaftskrise, die Haushaltslage der Stadt und das Herrenberg-Urteil, eine Grundsatzentscheidung des Bundessozialgerichts zur Scheinselbstständigkeit im Bildungs- und Kulturbereich, sorgten für Misstöne im ansonsten fein abgestimmten Betrieb. „In all diesen Situationen waren sie ein starker und verlässlicher Steuermann, der die Musikschule Bensheim souverän durch schweres Fahrwasser geführt hat“, verdeutlichte Thomas Herborn.

Er bedankte sich für dieses außergewöhnliche Engagement auch im Namen seiner stellvertretenden Eigenbetriebsleiterin Heidi Scharschmidt – verbunden mit der Hoffnung, den Ruheständler künftig bei viele Veranstaltungen und Konzerten in Bensheim begrüßen zu dürfen. Diesen Wunsch äußerte auch Bürgermeisterin Christine Klein. Sie dankte Helmut Karas für die jahrzehntelange Treue und würdigte ihn als Urgestein der Musikschule. „Die Erfolge bei den Landes- und Bundeswettbewerben sprechen für eine Qualität. Es ist beeindruckend, wie sich die Schülerinnen und Schüler entwickeln. Das ist ihre Handschrift“, bemerkte Christine Klein. Sie wünschte Karas alles Gute für den Ruhestand und überreichte als kleines Dankeschön eine Urkunde und einen Präsentkorb.

Erster Stadtrat Frank Daum erinnerte sich an den Einstieg von Helmut Karas als Führungskraft vor knapp 30 Jahren. Daum leitete zu jener Zeit unter dem damaligen Bürgermeister Georg Stolle einen Arbeitskreis, der das Controlling in der Verwaltung implementieren sollte. Die Musikschule diente als Pilotprojekt. Ein Ergebnis des Prozesses war der Wechsel an der Spitze.  

Den unermüdlichen Einsatz und das große Engagement hob auch Elke Ritter hervor. Die Vorsitzende des Personalrats bezeichnete Helmut Karas als „das Gesicht unserer Musikschule“. Auch in schweren Zeiten sei er immer positiv und zuversichtlich geblieben.

Die interne Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Kerstin Hundsdorf wünschte ebenso alles erdenklich Gute für den Ruhestand. „Genießen Sie die freie Zeit und die schöne Aussicht, morgens ausschlafen zu können und nicht mehr täglich an die Musikschule und das Rathaus denken zu müssen.“

Helmut Karas selbst bedankte sich in erster Linie bei der Leitung des Eigenbetriebs Stadtkultur für die angenehme Zusammenarbeit. „Meine Tätigkeit habe ich als erfüllend und sinnstiftend wahrgenommen, die letztlich auch der Stadtgemeinschaft zugutekommt.“ Sein Dank galt außerdem den vielen Mitarbeitenden in der Verwaltung, mit denen er im Laufe der Zeit zu tun hatte. „Ich habe hier sehr viel Hilfe und kollegiale Unterstützung erfahren, auf die ich mich immer verlassen konnte.“

Die Gründung des Eigenbetriebs vor mehr als 15 Jahren sei ein „Push für die Kulturarbeit in Bensheim“ gewesen, führte er bei seiner Verabschiedung weiter aus. In einer konzentrierten Anstrengung und Kooperation habe man das Kulturangebot der Stadt Bensheim auf ein professionelles Niveau gehoben, „das dem Anspruch einer kulturinteressierten, familienfreundlichen und weltoffenen Stadt wie Bensheim gerecht wird“. Er hoffe sehr, dass dies auch trotz derzeit schwieriger wirtschaftlicher und finanzieller Aussichten weiterhin möglich sein wird.

Große Pläne für die Zeit nach der Musikschule hat Helmut Karas noch nicht. „Ich werde jetzt nur noch spielen und mich mehr um meine vier Enkel kümmern“, antwortete er auf eine entsprechende Nachfrage von Bürgermeisterin Klein. Der passionierte Musiker ist Mitglied in mehreren Ensembles, unter anderem im Collegium Musicum Bergstraße.

An Beschäftigung wird im neuen Lebensabschnitt wird es daher nicht mangeln. Und aus dem Takt, das machten die Rednerinnen und Redner am Donnerstag in ihren Beiträgen deutlich, brachte und bringt den Bensheimer ohnehin so schnell nichts – weder hinter dem Schreibtisch und schon gar nicht hinter dem Schlagzeug.

Und auch an der Musikschule selbst bleibt alles im Einklang. Die kommissarische Leitung der Musikschule hat nach dem Abschied von Helmut Karas zum 1. April Justyna Greupner übernommen. Die Schulgemeinschaft wird sich von ihrem Leiter übrigens so verabschieden, wie es sich gehört: mit viel Musik beim nächsten Teil der Konzertreihe „Podium junger Künstler“ am Sonntag, 14. Juni, 11 Uhr im Gertrud-Eysoldt-Foyer des Parktheaters.

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