Bensheim | 30. April 2026 Christine Deppert (CDU) geht in ihre dritte Amtszeit als Stadtverordnetenvorsteherin. In der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend im Bürgerhaus wurde sie einstimmig wiedergewählt. Ihre Stellvertretung übernehmen Sabine Hinterkeuser-Freye (Grüne) und Heiko Moritz (SPD).
Bürgermeisterin Christine Klein beglückwünschte die alte und neue Stadtverordnetenvorsteherin ebenso wie ihre Stellvertreter. Sie überreichte Blumensträuße als kleines Zeichen der Wertschätzung und wünschte gutes Gelingen in den kommenden fünf Jahren. Christine Deppert bedankte sich für das entgegengebrachte Vertrauen. „Ich werde mein Amt auch in Zukunft mit viel Freude, Herzblut und Verantwortungsbewusstsein ausfüllen.“ Ihr besonderer Dank galt dem Team Parlamentarische Angelegenheiten im Rathaus, das seit zehn Jahren an ihrer Seite stehe „und mich durch so manche stürmische Sitzungszeit geleitet hat“.
Das Amt der Stadtverordnetenvorsteherin sei mehr als nur die Leitung von Sitzungen. Es gehe darum, den demokratischen Diskurs zu ermöglichen und unterschiedliche Meinungen zusammenzuführen und dabei stets die Würde und den Respekt des politischen Miteinanders zu wahren. Die Bensheimerin lobte in ihrer Ansprache außerdem den Zusammenhalt in ihrer Heimatstadt, der sich nicht nur, aber vor allem auch in Krisenzeiten zeige. „Bensheim ist nicht nur ein Ort, es ist eine Gemeinschaft, die von Engagement, Verantwortung und gegenseitigem Respekt lebt.“
Die offizielle Eröffnung der Sitzung lag zuvor in den Händen von Bürgermeisterin Christine Klein. Sie stellte in ihrer Rede die Frage in den Raum, was eine gute Stadtverordnetenversammlung ausmache. „Eine gute Stadtverordnetenversammlung ist das Herz unserer kommunalen Demokratie“, betonte Klein und verdeutlichte, dass es aus ihrer Sicht nicht um „laute Debatten“ oder „Mehrheiten um jeden Preis“ geht, sondern um verantwortungsvolles Handeln im Sinne der Bürgerinnen und Bürger. Entscheidend seien Respekt gegenüber unterschiedlichen Meinungen, die Einhaltung demokratischer Regeln und ein fairer Umgang miteinander: „Demokratie lebt vom Streit – aber dieser Streit braucht Haltung, Fairness und die klare Trennung zwischen harter Sache und persönlichem Umgang.“
Zugleich unterstrich sie die gemeinsame Verantwortung aller Mandatsträger für die gesamte Stadt – „für mehr als die eigene Wählerschaft“ – und hob hervor, dass nicht Lautstärke, sondern Gestaltungskraft zählt. Kommunalpolitik sei dabei oft mühsam und verlange „Geduld, Zahlen statt Schlagzeilen und Ausdauer statt Empörung“ – genau darin liege jedoch ihre Stärke.
Die Rathauschefin lenkte darüber hinaus den Blick auf die Bedeutung von Vielfalt: „Wenn Erfahrung auf Offenheit trifft, entsteht Stärke.“ Der sichtbare Generationenwechsel sowie ein Frauenanteil von 51 Prozent seien ein klares Signal für mehr Repräsentanz und bessere Entscheidungen: „Es geht nicht um Symbolik. Es geht um Gerechtigkeit. Es geht um Qualität.“ Wenn Frauen und Männer gleichberechtigt gestalten, gewinne die ganze Stadt. „Deshalb sage ich besonders an die Frauen in diesem Raum gerichtet: Mischen Sie sich ein und erheben Sie Ihre Stimme.“
Politik müsse zudem nah an den Menschen bleiben und dürfe „nicht im Sitzungssaal enden“, sondern gehöre in den direkten Austausch vor Ort – auf den Marktplatz, in die Vereine und in die Schulen. Gerade in schwierigen Zeiten sei es wichtig, mutig zu gestalten und über Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten: „Am Ende zählt nur eine Frage: Was nützt unserer Stadt?“ Ein gutes Stadtparlament verwalte nicht nur, es gestalte, so die Bürgermeisterin.
Abschließend dankte die Bürgermeisterin allen Engagierten in der Kommunalpolitik ausdrücklich: „Ein Mandat bedeutet Einsatz – Zeit, Kraft und oft auch Nerven.“ Dieses Engagement, das häufig neben Beruf, Familie und Ehrenamt geleistet werde, verdiene „großen Respekt“. Ihr Appell: „Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung übernehmen – mit Respekt, Offenheit und dem klaren Ziel vor Augen: das Beste für unsere Stadt.“
Nach der Begrüßung durch Christine Klein leitete mit Franz Apfel (BfB) der dienstälteste Stadtverordnete die Versammlung bis zur Wahl von Christine Deppert. Apfel ist seit April 1985 und damit 41 Jahren ununterbrochen Mitglied des obersten Beschlussorgans der Kommune.
„Um unsere Demokratie in Bensheim muss niemand bange sein“, so Apfel mit Blick auf viele neue Stadtverordnete sowie mit VOLT eine neue Fraktion in den Reihen des Gremiums. Und mit einem Augenzwickern fügte er an: „Sie alle wollen das Amt als Stadtverordnete wahrnehmen und gegebenenfalls auch die Bebauungspläne bis Seite 247 durchlesen und bewerten: Sie haben alle meinen Respekt.“ Bensheim brauche unabhängige und engagierte Stadtverordnete, die im Zweifel das Wohl der Stadt in den Mittelpunkt ihrer Entscheidung rücken.
Franz Apfel beendete seine einleitenden Worte mit einem Appell an die Runde: „Der politische Gegner ist kein Feind! Er und Sie sind die Mitbewerber, die ebenfalls wichtige Funktionen in den nächsten fünf Jahren erfüllen werden. Ich hoffe, dass die neuen Stadtverordneten in ihrer Gesamtheit so klug sind, dass sie gute Anträge, egal welche Fraktion diese stellt, unterstützen werden und das die Zeit vorbei ist, dass Anträge abgelehnt werden, nur weil sie von der vermeintlich falschen Fraktion kommen.“
Auf der Tagesordnung stand zudem die Bildung der Fachausschüsse. Dort sind die Fraktionen auf Grundlage ihres Stärkeverhältnisses nach der Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung vertreten. Während CDU (3), Grüne (2), SPD (1) und BfB (1) ihre Sitze sicher hatten, mussten die beiden verbliebenen Plätze in den Neuner-Gremien nach den Vorgaben der Hessischen Gemeindeordnung und der Hauptsatzung der Stadt Bensheim per Losentschied vergeben werden – und zwar zwischen VOLT, FDP und FWG. Die Ziehung übernahm die Stadtverordnetenvorsteherin. Im Haupt- und Finanzausschuss hatten FWG und FDP Losglück, im Bau-, Umwelt- und Planungsausschuss VOLT und FDP sowie im Sozial-, Sport- und Kulturausschuss wiederum FWG und FDP. Die Fraktionen, die jeweils leer ausgingen, haben allerdings einen Sitz mit beratender Funktion in den Ausschüssen und können somit ebenfalls ein Mitglied entsenden – jedoch ohne Stimmrecht.
Bei der Wahl der ehrenamtlichen Mitglieder des Magistrats kam es zur Bildung von Listen. CDU, SPD und FWG hatten sich zusammengeschlossen, ebenso BfB und VOLT. Für die Zusammensetzung des Magistrats bedeutet dies, dass die CDU mit drei ehrenamtlichen Stadträtinnen und Stadträten im Gremium sitzen wird, SPD und FWG mit jeweils einem Vertreter sowie die Grünen mit zwei, FDP und BfB mit einem Stadtrat. Vereidigt wurden somit: Waltrud Ottiger, Hans Seibert, Oliver Roeder (alle CDU), Arno Klein (SPD), Dr. Rolf Tiemann (FWG), Peter L. Born und Manfred Knapp (Grüne), Andreas Born (BfB) und Harald Boeddinghaus (FDP).
Weitere Entscheidungen an diesem Abend: Die Stadtverordnetenversammlung stellte einstimmig die Gültigkeit der Kommunalwahl und Ausländerbeiratswahl fest.
Bei der konstituierenden Sitzung wurden, wie es guter Brauch ist, viele Ehrentitel an Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker verliehen, die sich seit Jahrzehnten für das Gemeinwohl in den verschiedenen Gremien einsetzen. Gewürdigt wurden als Ehrenstadtverordnete Werner Bauer, Dr. Rolf Schwabenland, Michael Sydow, als Ehrenortsvorsteher Rico Klos, Michael Lortz, Hans-Peter Ott, Robert Schlappner, Marco Weißmüller, als Ehrenortsbeiräte Dr. Walther Fitz, Jens Gehron, Alois Hillenbrand und Rudolf Volprecht sowie als Ehrenausländerbeirätin
Dr. Fatemeh Schmidt.
Zum Hintergrund: In der Hauptsatzung ist hinterlegt, dass Bürgerinnen und Bürger, die als Gemeindevertreter, Ehrenbeamte, hauptamtliche Wahlbeamte oder als Mitglied eines Ortsbeirates insgesamt mindestens 20 Jahre ihr Mandat oder Amt ausgeübt haben, eine Ehrenbezeichnung verliehen werden kann.
Verabschiedet wurden am Mittwoch auch Stadtverordnete und Magistratsmitglieder, die während der Wahlzeit beziehungsweise zu deren Ende ausgeschieden sind: Antje Adam, Feridun Bahadori, Werner Bauer, Sibylle Becker, Katja Boeddinghaus, Peter Castellanos, Ralf Dorsheimer, Tobias Fischer, Teja Fuchs, Sina Glock, Dr. Thomas Götz, Susanne Hannak, Dr. Laura Herr, Alois Hillenbrand, Sarah Hoeller, Petra Jackstein, Dominik Jakob, Rolf Kahnt, Rico Klos, Kira Knapp, Norbert Koller, Jochen Kredel, Tanja Marquardt, Matthias Penteker, Dr. Fatemeh Schmidt, Thorsten Schrader
Dr. Rolf Schwabenland, Stefan Stehle, Michael Sydow, Dr. Rolf Tiemann, Joachim Uhde, Moritz Vogel, Dr. Ulrike Vogt-Saggau, Rudolf Volprecht, Daniel von Hauff und Thorsten Eschborn.




