Bensheim | 22. Juni 2026 Während die Mittagssonne die Promenadenstraße aufheizt, fliegen Schaufel um Schaufel Sand aus einer Mulde in bereitliegende Säcke. Ein paar Meter weiter bildet sich eine Menschenkette. Sandsack um Sandsack wandert von Hand zu Hand, bis die gefüllten Säcke schließlich an ihrem Bestimmungsort ankommen. Dort wächst Reihe für Reihe ein kleiner Schutzwall. Was auf den ersten Blick wie eine ungewöhnliche Gemeinschaftsaktion wirkt, ist in Wahrheit eine Übung für den Ernstfall. Und das Besondere: Nicht nur die Einsatzkräfte packen mit an. Auch zahlreiche Besucherinnen und Besucher greifen spontan zur Schaufel, füllen Sandsäcke und helfen beim Aufbau des Damms.
Diese Szene steht sinnbildlich für den ersten Aktionstag Bevölkerungsschutz der Stadt Bensheim, der am Samstag auf dem Beauner Platz und in der Promenadenstraße stattfand. Trotz tropischer Temperaturen nutzten viele Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, sich über Krisenvorsorge, Sicherheit und die Arbeit der Hilfs- und Rettungsorganisationen zu informieren. Rund 140 Frauen und Männer aus Haupt- und Ehrenamt präsentierten ihre Aufgaben, beantworteten Fragen und zeigten eindrucksvoll, wie Bevölkerungsschutz in der Praxis funktioniert.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Erstem Stadtrat Frank Daum. In seiner Ansprache betonte er die Bedeutung einer guten Vorbereitung auf außergewöhnliche Situationen. „Dabei geht es nicht darum, Ängste zu schüren oder Panik zu verbreiten. Im Gegenteil: Wissen schafft Sicherheit“, erklärte Daum. Wer grundlegende Vorsorge getroffen habe und die vorhandenen Hilfsstrukturen kenne, könne Krisensituationen deutlich gelassener begegnen. Gleichzeitig dankte er den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die ihre Freizeit investierten, um ihr Wissen weiterzugeben und den Bevölkerungsschutz erlebbar zu machen.
Ein besonderer Publikumsmagnet war die gemeinsame Hochwasserübung mehrerer Hilfsorganisationen unter der Leitung der DLRG. Moderiert wurde die Vorführung von Ulf Langemeier, dem stellvertretenden Ortsbeauftragten des THW Bensheim. Thomas Rech, Technischer Einsatzleiter der DLRG, erläuterte Schritt für Schritt die Vorgehensweise beim Bau eines Sandsackdamms und vermittelte dabei praktische Tipps aus der Einsatzpraxis. So erklärte er unter anderem, dass Sandsäcke nur zu etwa zwei Dritteln gefüllt werden sollten, damit sie sich optimal verlegen und zu einer möglichst dichten Barriere aufschichten lassen.
Anschaulich wurde gezeigt, wie Sandsäcke abgefüllt, auf Paletten gestapelt und anschließend über größere Entfernungen transportiert werden können. Dabei erfuhren die Besucherinnen und Besucher auch, dass auf einer Palette je nach Größe etwa 70 bis 90 Sandsäcke Platz finden. Besonders eindrucksvoll war die Menschenkette, mit der die gefüllten Säcke über die Promenadenstraße weitergereicht wurden. Anschließend entstand ein pyramidenförmig aufgebauter Sandsackdamm. Dabei wurde deutlich, dass jede zusätzliche Reihe an der Basis die mögliche Höhe des Damms erhöht und so einen besseren Schutz vor eindringendem Wasser bietet.
Dass sich viele Besucherinnen und Besucher aktiv an der Übung beteiligten, freute die Organisatoren besonders. Viele ließen sich spontan zum Mitmachen motivieren, griffen zur Schaufel oder halfen beim Verlegen der Sandsäcke. So wurde aus einer Vorführung eine gemeinsame Aktion, die eindrucksvoll zeigte, wie wichtig Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung im Katastrophenfall sind.
Doch nicht nur die Hochwasserübung stieß auf großes Interesse. An den Informationsständen nutzten viele Menschen die Gelegenheit, sich über die persönliche Notfallvorsorge zu informieren. Welche Lebensmittel und Wasservorräte sinnvoll sind, wie man sich bei einem längeren Stromausfall verhält oder welche Warnsysteme im Ernstfall informieren – auf diese und viele weitere Fragen erhielten die Besucherinnen und Besucher praxisnahe Antworten. Auch Themen wie Erste Hilfe und Selbstschutz wurden verständlich und alltagsnah vermittelt.
Besonders gefragt war dabei der Stand der Stadtverwaltung. Sophie Franke, die bei der Stadt Bensheim für den Bevölkerungsschutz zuständig ist, führte ebenso wie die Experten des Kreises Bergstraße etliche Gespräche und beriet Bürgerinnen und Bürger zu Möglichkeiten der privaten Vorsorge. Viele nahmen konkrete Anregungen und hilfreiche Hinweise mit nach Hause.
Wie vielfältig Bevölkerungsschutz ist, zeigte auch die große Bandbreite der vertretenen Organisationen. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Deutsches Rotes Kreuz, DLRG und Polizei gaben Einblicke in ihre Arbeit und präsentierten ihre Einsatzmöglichkeiten. Das DRK Bensheim war mit einem Team um Bereitschaftsleiter Sebastian Engelbrecht und dem Vorsitzenden Rico Klos vor Ort und informierte über seine Aufgaben im Rettungs- und Katastrophenschutz.
Für eine willkommene Abkühlung sorgte das THW mit seinem Sprühnebelzelt, das angesichts der hochsommerlichen Temperaturen insbesondere bei Familien sehr beliebt war. Auch die kleinen Rennboote des THW erfreuten sich bei den jüngsten Besucherinnen und Besuchern großer Beliebtheit. Die Polizeistation Bensheim bot zudem eine Fahrradcodierung an.
Großen Zuspruch erhielt auch die Feuerwehr Bensheim. Jürgen Ritz, stellvertretender Stadtbrandinspektor, informierte über Brandschutzerziehung und gab praktische Tipps zur Brandverhütung sowie zum richtigen Verhalten in Notfällen. Darüber hinaus standen Themen wie Waldbrandgefahren, Präventionsmaßnahmen und die Arbeit der Feuerwehr im Mittelpunkt vieler Gespräche.
Vertreten waren außerdem wichtige Betreiber kritischer Infrastruktur. Die GGEW AG, die Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße (KMB) und der Gewässerverband Bergstraße erläuterten ihre Aufgaben bei der Sicherstellung der Energie-, Wasser- und Entsorgungsversorgung. Der Gewässerverband machte dabei mit einer anschaulichen Präsentation deutlich, welche Mengen an Müll regelmäßig aus den Gewässern der Region entfernt werden müssen und welche Auswirkungen dies auf Umwelt und Hochwasserschutz hat. Das Kreisverbindungskommando als Bindeglied zwischen Bundeswehr und den zivilen Katastrophenschutzstäben zeigte am Samstag auf dem Beauner Platz ebenso Präsenz wie die Psychosoziale Notfallversorgung.
Zum Abschluss zog Erster Stadtrat Frank Daum eine positive Bilanz. „Der Aktionstag hat eindrucksvoll gezeigt, wie viele Menschen und Organisationen tagtäglich daran arbeiten, unsere Stadt sicher und handlungsfähig zu halten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Bevölkerungsschutz nicht erst im Einsatz beginnt, sondern bereits bei der persönlichen Vorsorge jedes Einzelnen. Die große Resonanz und die vielen Gespräche haben gezeigt, dass dieses Thema die Menschen bewegt.“
Mit zahlreichen Vorführungen, praktischen Erfahrungen und vielen neuen Erkenntnissen endete der erste Aktionstag Bevölkerungsschutz am Nachmittag erfolgreich. Die wichtigste Botschaft des Tages nahmen viele Besucherinnen und Besucher bereits beim Blick auf den gemeinsam errichteten Sandsackdamm mit nach Hause: Bevölkerungsschutz funktioniert am besten, wenn Menschen zusammenstehen – eben Hand in Hand für den Ernstfall.

