Bensheim | 27. Juli 2026 Von oben grüßt die Stadtkirche Sankt Georg, weiter unten breitet sich der Marktplatz in der Nachmittagssonne aus. Dazwischen befindet sich die Fläche, auf der bis 2019 das Haus am Markt stand und die seitdem brach liegt. Oder wie es Bauingenieur Dieter Blumenschein, zugleich Vorstandsmitglied beim Bensheimer Verkehrsverein, bei einem Ortstermin kommentierte: „Das ist hier im Prinzip eine Schuttfläche.“ Zu sehen ist von alldem mittlerweile nichts mehr. Seit knapp drei Wochen laufen in diesem sensiblen Bereich Arbeiten, die nun auf die Zielgerade einbiegen.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf mehr Verkehrssicherheit, einer barriereärmeren Gestaltung und einer höheren Aufenthaltsqualität. Dass der obere Marktplatz eines Tages umgestaltet werden soll, ist seit Jahren erklärtes Ziel. Angesichts der angespannten Haushaltslage ist ein solches Großprojekt derzeit jedoch nicht realisierbar. „Wir müssen uns nichts vormachen. Eine umfassende Neugestaltung wird die Stadt in den kommenden Jahren aus finanziellen Gründen kaum stemmen können“, betonte Bürgermeisterin Christine Klein beim Ortstermin. Umso wichtiger sei es, die Fläche mit vertretbarem Aufwand sinnvoll weiterzuentwickeln. „Wir wollten mit einem überschaubaren Budget möglichst viel erreichen.“
Rund 71.000 Euro investiert die Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim (MEGB) als Eigentümerin der Fläche in die Maßnahme. Entstanden ist die Idee im Frühjahr dieses Jahres im gemeinsamen Austausch zwischen Stadtmarketing, Verkehrsverein und Planern. Von Beginn an stand dabei die Frage im Mittelpunkt, wie sich die bislang wenig einladende Fläche möglichst vielseitig nutzen lässt.
„Die Fläche soll nicht nur während des Winzerfests funktionieren, sondern das ganze Jahr über“, erläuterte Blumenschein. Gleichzeitig sei darauf geachtet worden, dass Veranstaltungen wie das Winzerfest oder auch der Betrieb der Schorschalm im Winter weiterhin ohne Einschränkungen möglich bleiben. Für die Standbetreiber bedeutet die Umgestaltung sogar eine Verbesserung.
Herzstück des Vorhabens ist die Neugestaltung des Bodenbelags. Der bisherige Schutt und Schotter wurde entfernt. Stattdessen entsteht eine Kombination aus gepflasterten Bereichen und einer wassergebundenen Decke aus Bessunger Faulkies. Ein gepflasterter Weg erleichtert künftig insbesondere Menschen mit Rollator oder Kinderwagen die Nutzung der Fläche. Eine vollständige Barrierefreiheit lässt sich aufgrund der Topografie und der Gegebenheiten vor Ort allerdings nicht erreichen.
Die Bauarbeiten hatten es dabei durchaus in sich. Unter der Fläche befinden sich historische Kelleranlagen, die teilweise mit Bauschutt verfüllt wurden. Dieser schwierige Untergrund stellte die Planer immer wieder vor Herausforderungen, die dazu führten, dass der Bereich leicht angehoben und über eine weitere Treppe angebunden werden musste. „Ansonsten hätten wir den Keller abreißen müssen“, konstatierte Blumenschein.
Sämtliche Arbeiten bis hin zu den verwendeten grauen Pflastersteinen wurden eng mit der Denkmalbehörde abgestimmt, die das Vorhaben letztlich zügig genehmigte.
Mit dem Abschluss der Bauarbeiten ist die Entwicklung der Fläche noch nicht beendet. Aus Mitteln des Förderprogramms „Zukunft Innenstadt“ wird das Stadtmarketing das Areal aufwerten. Im Herbst werden entlang der Sandsteinmauer in einem erhöhten Beet Pflanzungen vorgenommen. Da der Untergrund nur wenig Wurzeltiefe bietet, wird die Fläche angehoben. Gepflanzt werden trockenheitsverträgliche, mediterrane Arten, die den zunehmend heißen Sommern und der exponierten Lage standhalten. Ein Tropfbewässerungssystem sorgt für die notwendige Wasserversorgung.
Im Frühjahr 2027 sollen zudem drei große Sonnensegel installiert werden. Ergänzt werden sie durch mobile Sitzmöbel. Außerdem ist vorgesehen, die Sandsteinmauer künftig indirekt zu beleuchten und damit auch in den Abendstunden stärker hervorzuheben, verbunden mit optischen Ausbesserungen. An Ideen mangelt es dabei weder Dieter Blumenschein noch dem Team Stadtmarketing, das am Ortstermin mit Marion Reiser, Zita Schaider und Erika Arnold vertreten war.
Sie bezogen im Gespräch auch Stellung zu einem Thema, das immer wieder in der Öffentlichkeit diskutiert wird: dem Wunsch nach mehr Bäumen in der Bensheimer Fußgängerzone – was an vielen Stellen leider nicht möglich ist. „Wir haben das in der Vergangenheit immer wieder an unterschiedlichen Stellen prüfen lassen“, bemerkten Marion Reiser und Bürgermeisterin Klein.
Unter der Fußgängerzone, die früher in weiten Teilen eine normale Straße war, verlaufen umfangreiche Leitungsnetze für Gas, Wasser und Strom. Gleichzeitig müssen die erforderlichen Feuerwehrzufahrten dauerhaft gewährleistet bleiben. „Das sind Zwänge, die können wir weder ignorieren noch übergehen“, so Klein. Aus diesen Gründen setzt die Stadt auf andere Formen der Begrünung und Verschattung – etwa Pflanzkübel, klimaangepasste Beete oder künftig auch Sonnensegel.
Auf einen weiteren Aspekt wurde beim Ortstermin ebenfalls aufmerksam gemacht. Da es sich beim oberen Marktplatz um eine private Fläche mit öffentlicher Nutzung handelt, wird über eine Videoüberwachung zum Schutz vor Vandalismus nachgedacht. Sicherheit spiele bei der Gestaltung des Bereichs eine wichtige Rolle, betonte die Bürgermeisterin.
Für die Rathauschefin ist die jetzige Maßnahme ein bewusst gewählter Zwischenschritt. „Wir schaffen hier keine endgültige Lösung für den Bereich oberhalb des Marktplatzes. Aber wir machen aus einer Brache einen Ort, der deutlich besser nutzbar ist und mehr zum Verweilen einlädt.“ Sie dankte allen Beteiligten für die schnelle und reibungslose Zusammenarbeit.