Bensheim

News aus Bensheim

Aktuelle Themen

Als Bensheim zur „heimlichen Hauptstadt Hessens“ wurde

Bensheim | 3. Juni 2026 Der Hessentag 1976 zählt zu den prägendsten Ereignissen der jüngeren Bensheimer Stadtgeschichte. Wie nachhaltig das Landesfest die Entwicklung der Stadt beeinflusst hat, zeigt ein neuer Beitrag von Claudia Sosniak, Leiterin des Stadtarchivs Bensheim, der in der kommenden Ausgabe der Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße veröffentlicht wird.

Unter dem Titel „Bensheim 1976 – Der Hessentag der Superlative“ zeichnet die Autorin die Entstehungsgeschichte, die umfangreichen Vorbereitungen und die Auswirkungen des 16. Hessentages nach, der vom 5. bis 13. Juni 1976 unter dem Motto „Bergsträßer Festwoche“ in Bensheim über die Bühne ging. Neun Tage lang stand die Stadt im Mittelpunkt des Landesgeschehens. Mit rund 150 Einzelveranstaltungen, einer großen Landesausstellung, kulturellen Höhepunkten, Sportveranstaltungen, Festakten und einem spektakulären Festzug präsentierte sich Bensheim als Gastgeber des bis dahin größten und vielfältigsten Hessentages in der Geschichte.

Rund 345.000 Besucherinnen und Besucher kamen an die Bergstraße. Allein den großen Festzug am Abschlusssonntag verfolgten rund 200.000 Menschen entlang der Straßen. Die Festzugstrecke betrug insgesamt fünf Kilometer, umfasst 300 Zugnummern und erstreckte sich über eine Gesamtlänge von etwa acht Kilometern. Am Marktplatz war eine große Ehrentribüne aufgebaut. 129 Polizeibeamte und 160 Feuerwehrleute kümmerten sich um einen sicheren und reibungslosen Ablauf der kunterbunten Parade.

Mit dabei war auch das Hessentags-Pärchen: Die Geschwister Jutta und Rolf Schmitt, 11 und 13 Jahre alt, sie Schülerin der 5. Realschulklasse, er Schüler der 7. Hauptschulklasse und Kinder des 2021 verstorbenen Zeller Urgesteins Willi Schmitt.

Der Hessentag war dabei weit mehr als ein großes Volksfest. Er wurde zum Motor vieler städtebaulicher und infrastruktureller Projekte. So konnte pünktlich zum Landesfest das neue Bürgerhaus eröffnet werden, das der damalige Ministerpräsident Albert Osswald im Beisein des damaligen Bürgermeisters Georg Stolle als „Perle im Kranz hessischer Bürgerhäuser“ bezeichnete.

Darüber hinaus wurden unter anderem die Darmstädter Straße ausgebaut, die Brücke über die Saarstraße realisiert, Parkflächen geschaffen, Sportanlagen modernisiert und öffentliche Bereiche aufgewertet. Auch etliche private Investitionen wurden angestoßen: Im Rahmen eines Fassadenwettbewerbs wurden historische Gebäude saniert, wurde Fachwerk freigelegt und das Stadtbild nachhaltig verschönert. Insgesamt erhielten 50 renovierte Häuser eine Auszeichnung.

Die Festwoche selbst bot ein Programm, das weit über die Grenzen der Region hinaus Beachtung fand. Zu den Höhepunkten gehörte die große Landesausstellung am Berliner Ring mit rund 250 Ausstellern, die auf mehr als 15.000 Quadratmetern ihre Leistungen präsentierten. Tausende Besucher strömten täglich durch die Ausstellungshallen und über das Freigelände.

Großen Zuspruch fanden auch das erstmals in den Hessentag integrierte Seefest am Badesee mit mehr als 15.000 Gästen, spektakulären Artistik-Vorführungen und einer von den Feuerwehren inszenierten Wasserorgel – unterstützt von Booten des Technischen Hilfswerks (THW), einer Fähre mit Auerbacher Pionieren und amerikanischen Einheiten. Die Internationale Sport- und Musikschau im Weiherhausstadion begeisterte darüber hinaus 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer.

Weitere Höhepunkte waren ein großer Flugtag auf dem Gelände der Segelfluggruppe Bensheim, Theater- und Musikveranstaltungen, die Verleihung der Wilhelm-Leuschner-Medaille im neuen Bürgerhaus sowie eine vielbeachtete Ausstellung zum 200. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit.

Besonders eindrucksvoll beschreibt Claudia Sosniak das enorme ehrenamtliche Engagement, das den Hessentag erst möglich machte. Vereine, Organisationen und viele Bürgerinnen und Bürger brachten sich in die Vorbereitungen und die Durchführung des Landesfestes ein. Dieses starke Gemeinschaftsgefühl war einer der Gründe dafür, dass der Hessentag bis heute einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis der Stadt einnimmt.

Dass Bensheim als Gastgeberstadt in besonderer Erinnerung geblieben ist, zeigte sich auch Jahrzehnte später. Nach dem erfolgreichen Landesfest von 1976 erhielt die Stadt erneut den Zuschlag für den Hessentag und war vom 6. bis 15. Juni 2014 zum zweiten Mal Gastgeber des größten Landesfestes Deutschlands. Mit rund 1,325 Millionen Besucherinnen und Besuchern bei mehr als 1.000 Veranstaltungen gehörte der Hessentag 2014 zu den erfolgreichsten seiner Geschichte. Mehr als 3.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sorgten gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung, den beteiligten Organisationen und Einsatzkräften für ein Bensheimer Sommermärchen bei bestem Sommerwetter.

Der Beitrag von Claudia Sosniak verdeutlicht, wie die beiden Hessentage die Entwicklung Bensheims geprägt haben. Zugleich macht er deutlich, dass hinter dem Erfolg der Großveranstaltungen vor allem das Engagement der Menschen stand, die mit ihrem Einsatz, ihrer Gastfreundschaft und ihrem Gemeinschaftssinn die Stadt weit über die Grenzen Hessens hinaus bekannt gemacht haben.

Nehmen Sie jetzt Kontakt zu uns auf!

Hier können Sie uns eine Nachricht mit Ihren Wünschen, Anregungen oder Fragen hinterlassen.

Ihre Kontaktdaten