Bensheim | 8. April 2026 Der Sankt-Georgs-Brunnen auf dem Marktplatz ist ein beliebtes Fotomotiv – und steht dort in seiner jetzigen Form seit 1895. Vermutlich seit der Nacht auf Mittwoch fehlt mit dem „Herbst“ allerdings eine der vier Brunnenfiguren, die die Jahreszeiten darstellen. Sie wurde mutmaßlich von ihrem Sockel geschlagen und beim Aufprall auf den Boden erheblich beschädigt.
„Wir gehen von Vandalismus aus und werden Anzeige gegen unbekannt erstatten“, erklärte Bürgermeisterin Christine Klein. Zur Höhe des Schadens kann zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Angabe gemacht werden. Für eine Restauration der Figur muss ein Steinmetz angefragt werden.
Für Christine Klein sind Fälle von Vandalismus ein großes Ärgernis: „Der Brunnen ist ein bedeutendes Stück unserer Stadtgeschichte und prägt das Bild des Marktplatzes. Dass eine der Figuren mutwillig zerstört wurde, ist nicht nur ein materieller Schaden. Solche Verhaltensweisen sind für mich völlig unverständlich und nicht zu akzeptieren.“
Die Figur lag in mehrere Teile zerbrochen im Becken des Brunnens, der jahreszeitlich bedingt kein Wasser führt. Am Mittwochmorgen wurde der Schaden bemerkt, der „Herbst“ anschließend geborgen.
Wer Angaben zu dem Vorfall machen kann, soll sich an die Polizei in Bensheim, Telefon 06251/84680, wenden.
Der Marktbrunnen war über Jahrhunderte hinweg der wichtigste Bensheimer Brunnen – und ist auch heute noch prägend für das Stadtbild. Schon in der fränkischen Siedlung Basinsheim, vor 1250 Jahren erstmals urkundlich im Lorscher Codex erwähnt, dürfte es an dieser zentralen Stelle eine erste Brunnenanlage in Form eines einfachen Ziehbrunnens gegeben haben. Hier versorgten sich die Menschen mit Trinkwasser. Bis ins 18. Jahrhundert hinein ist dieser Brunnen auf dem Marktplatz nachweisbar.
Im Jahr 1836 wurde der Marktbrunnen erneuert und sein Standort verlegt. Bisher hatte sich die Anlage an der Nordseite des Marktplatzes befunden. Damals sollte ein neuer, repräsentativerer Brunnen in der Mitte des Platzes her. Die klassizistische Säule war – nach dem damaligen Geschmack – von einer Glasglocke oder Laterne gekrönt. Diese fiel allerdings bei einem Erdbeben am 10. Februar 1871 herunter und zerbrach.
Ein Ersatz musste her – und eine ältere Idee wurde wieder aufgegriffen: den Brunnen mit einer Figur des Heiligen Georg zu krönen. Auch die Säule wurde ausgetauscht, so dass der Brunnen im Jahr 1895 erneut eine neue Gestalt erhielt: Es ist der Marktbrunnen, so wie wir ihn heute kennen.



