Bensheim | 30. April 2026 Im Bensheimer Rathaus stand am Montag ein zentrales Zukunftsthema im Mittelpunkt: die Pflege. Auf Einladung von Christine Klein kamen Vertreterinnen und Vertreter der Bensheimer Senioreneinrichtungen zum jährlichen Austausch mit der Bürgermeisterin zusammen, um über die aktuelle Situation und künftige Herausforderungen zu sprechen.
An dem Gespräch nahmen der Leiter des AWO-Sozialzentrums Bensheim, Daniel Bauer, Natascha Arras, Leitung der Senioren-Residenz Villa Medici sowie Ulrike Schaider, Heimleitung der Caritasheim Sankt Elisabeth und Haus Marillac, teil. Ebenfalls eingeladen war die Leiterin des Seniorenzentrums Haus Wiesengrund, die aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen konnte. Von städtischer Seite zugegen war Andrea Schumacher aus dem Team Familie, Jugend, Senioren und Vereine.
Die Vertreterinnen und Vertreter zeigten sich insgesamt zufrieden mit der Pflegesituation in Bensheim. Der Bedarf an klassischen Neubauten von Pflegeeinrichtungen wird derzeit nicht gesehen. Vielmehr bestehe ein wachsender Bedarf an alternativen Wohnformen. Insbesondere seniorengerechtes Wohnen mit flexibel zubuchbaren Dienstleistungen müsse stärker ausgebaut werden. Solche Modelle ermöglichen es älteren Menschen, länger selbstständig zu leben, gleichzeitig soziale Kontakte zu pflegen und Vereinsamung vorzubeugen. Aktuell fehlt es jedoch an zusätzlichen entsprechenden Angeboten.
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gewinnt dieser Ansatz zusätzlich an Bedeutung: Die Bevölkerung wird immer älter, während gleichzeitig familiäre Unterstützungsstrukturen seltener werden. Innovative Wohnformen, die Selbstständigkeit mit bedarfsgerechter Unterstützung verbinden, gelten daher als wichtiger Baustein, um die Pflege langfristig tragfähig zu gestalten und stationäre Einrichtungen gezielt zu entlasten.
Benötigt werden zudem weitere Kurzzeitpflegeplätze. Insbesondere bei kurzfristigen Überweisungen nach einem Krankenhausaufenthalt stehen die Seniorenheime vor Herausforderungen, da entsprechende Kapazitäten oft nicht unmittelbar verfügbar sind. Vor diesem Hintergrund wird der Ausbau von Kurzzeitpflegeplätzen als dringend erforderlich angesehen.
Kurzzeitpflege übernimmt daher eine wichtige Brückenfunktion – etwa zur Stabilisierung nach Klinikaufenthalten oder zur Entlastung pflegender Angehöriger. Der aktuell spürbare Mangel an entsprechenden Plätzen führt jedoch häufig zu Engpässen im Versorgungssystem, sodass Übergänge nicht immer optimal gestaltet werden können. Eine bedarfsgerechte Ausweitung dieses Angebots wird daher als wesentlicher Faktor für eine funktionierende Pflegeinfrastruktur gesehen.
Ein weiteres großes Thema war der Fachkräftemangel in der Pflege. Die Gewinnung qualifizierter Mitarbeitender gestaltet sich zunehmend schwierig. Als mögliche Ansätze wurden unter anderem eine stärkere Werbung für den Pflegeberuf bereits in Schulen sowie die Idee eines Wahlpflichtfachs „Pflege“ diskutiert – dies alles in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt.
Der Fachkräftemangel zählt bundesweit zu den größten Herausforderungen im Pflegesektor und wirkt sich zwangsläufig auch auf regionaler Ebene aus. Umso wichtiger erscheinen frühzeitige Einblicke in das Berufsfeld sowie eine stärkere gesellschaftliche Wertschätzung, um langfristig mehr Menschen für eine Tätigkeit in der Pflege zu gewinnen.
Da Bewerbungen aus Deutschland häufig ausbleiben, werden unter anderem vermehrt Pflegekräfte aus afrikanischen Ländern eingestellt, die bereits bei ihrer Ankunft über nachgewiesene gute Deutschkenntnisse verfügen. Gleichzeitig interessieren sich auch Quereinsteiger für den Pflegeberuf, da sich die Verdienstmöglichkeiten in den vergangenen Jahren verbessert haben.
Bürgermeisterin Christine Klein betonte die Bedeutung des regelmäßigen Austauschs sowie einer qualitativ hochwertigen Pflege vor Ort: „Der direkte Dialog mit den Einrichtungen ist für mich von großer Bedeutung. Nur so können wir frühzeitig erkennen, wo Handlungsbedarf besteht, und gemeinsam Lösungen entwickeln, damit die Menschen in Bensheim auch in Zukunft gut und würdevoll versorgt sind. Meine Tür steht für Gespräche immer offen.“
Ein weiteres beliebtes Veranstaltungsformat wird daher auch in diesem Jahr fortgeführt: Im Rahmen des Bergsträßer Winzerfest besucht die Stadtkapelle Bensheim erneut die Seniorenheime im Stadtgebiet und sorgt dort mit Platzkonzerten für festliche Stimmung.
Begleitet werden die Musikerinnen und Musiker traditionell von der Bürgermeisterin, Vertreterinnen und Vertretern der Stadt sowie regionalen Hoheiten, darunter die Weinkönigin und der Fraa vun Bensem. Vor Ort werden die Auftritte in den Einrichtungen jeweils durch ein kleines, liebevoll gestaltetes Programm ergänzt, das den Bewohnerinnen und Bewohnern zusätzliche Freude bereitet. Für Christine Klein ist es ein besonderes Anliegen, die Atmosphäre des Winzerfests auch zu den Menschen zu bringen, die selbst nicht mehr mobil sind – ein Zeichen gelebter Gemeinschaft und Wertschätzung.
Seniorinnen und Senioren, die noch die Möglichkeit haben, stärker am öffentlichen Leben teilzunehmen, sind jedes Jahr herzlich eingeladen, das größte Weinfest in der Region zu besuchen. Vor allem am Winzerfest-Mittwoch wird ein Unterhaltungsprogramm am Lammertsbrunnen extra für die ältere Generation angeboten.
Gemeinsam mit Andrea Schumacher verwies die Rathauschefin zudem auf die vielfältigen Angebote für Seniorinnen und Senioren in Bensheim.
Dazu zählen unter anderem die regelmäßigen „Ge(h)spräche“, organisiert vom Kommunalen Seniorenbeirat Bensheim unter dem Vorsitz von Gudrun Frehse.
Weitere Höhepunkte im Jahresprogramm sind die traditionelle Rheinschifffahrt am 23. Juni sowie die Seniorentage, die vom 21. bis 25. September bereits zum 40. Mal veranstaltet werden und ein abwechslungsreiches Programm bieten.
Informationen erhalten Interessierte auch direkt beim Kommunalen Seniorenbeirat. Gudrun Frehse bietet dienstags und donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr in der Alten Faktorei (Hauptstraße 39) Sprechstunden an. Eine Kontaktaufnahme ist telefonisch unter 06251/550096 sowie per Mail an ksb@bensheim.de möglich.
Das städtische Team Familie, Jugend, Senioren und Vereine steht außerdem für Rückfragen zur Verfügung. Ansprechpartnerin für die Veranstaltungen ist Stephanie Gescheidle, Montag bis Donnerstag von 8 bis 13 Uhr, Telefon 06251/8699162, Mail an senioren@bensheim.de.



