Bensheim | 2. Juli 2026 Der historische Bildstock zu Ehren des Bergsträßer Dichters und „Waldpfarrers“ Karl Ernst Knodt hat einen neuen Platz gefunden. Nach einer aufwendigen Restaurierung steht das denkmalgeschützte Sandsteindenkmal nun im Lustgarten neben dem Neuen Schlossweg in Schönberg, unweit des Kriegerdenkmals. Mit der Umsetzung reagierte das Stadtarchiv Bensheim gemeinsam mit der Landesdenkmalpflege Hessen sowie der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Bergstraße auf die mutwillige Beschädigung des Denkmals im Jahr 2024.
Der Bildstock war damals an seinem ursprünglichen Standort oberhalb des Brunnenwegs erheblich beschädigt worden. Unbekannte hatten vermutlich mithilfe eines Akkubohrers Teile der historischen Inschrift aus dem Sandstein herausgefräst und damit das unter Denkmalschutz stehende Kulturdenkmal nachhaltig beschädigt. Die Stadtverwaltung erstattete daraufhin Strafanzeige wegen Sachbeschädigung. Der oder die Täter konnten jedoch nicht ermittelt werden.
Im Juni 2024 wurde der Bildstock vom bisherigen Standort abgebaut, um ihn vor weiteren Schäden zu schützen und eine fachgerechte Restaurierung zu ermöglichen. Die Arbeiten übernahm die auf Restaurierung und Denkmalpflege spezialisierte Firma Leonh. Hanbuch & Söhne GmbH & Co. KG aus Mannheim. Dabei wurden die beschädigten Schriftbereiche auf Grundlage denkmalpflegerischer Vorgaben rekonstruiert. Aufgrund einer notwendigen Nachbesserung im Bereich der Inschrift konnte die Restaurierung nun Ende Juni 2026 vollständig abgeschlossen werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 5430 Euro.
„Mit der Restaurierung konnte ein bedeutendes Zeugnis der lokalen Kultur- und Literaturgeschichte erhalten werden. Gleichzeitig war es unser Ziel, einen Standort zu finden, an dem der Bildstock dauerhaft besser geschützt ist und zugleich weiterhin in einem inhaltlich passenden Umfeld steht“, erläutert Claudia Sosniak, Leiterin des Stadtarchivs Bensheim.
Der ursprüngliche Standort lag im Waldgebiet oberhalb des Brunnenwegs in der Kalkgasse. Das Gelände war nur über einen unwegsamen und mittlerweile stark zugewachsenen Pfad erreichbar. Der Bereich wurde nicht mehr gepflegt und war aufgrund seiner abgeschiedenen Lage kaum einsehbar. Auch die dort aufgestellte Sitzbank war inzwischen stark verwittert, mit Moos bewachsen und nicht mehr verkehrssicher. Eine Erschließung des Standorts von der höher gelegenen Seite des Brunnenwegs wäre nur mit erheblichem finanziellem Aufwand möglich gewesen.
Vor diesem Hintergrund wurde gemeinsam mit der Landesdenkmalpflege Hessen und der Denkmalschutzbehörde des Kreises Bergstraße nach einem geeigneten neuen Standort gesucht. Die Wahl fiel schließlich auf den Lustgarten neben dem Neuen Schlossweg. Dort befindet sich bereits mit dem Kriegerdenkmal eine bedeutende denkmalgeschützte Gesamtanlage, die als Erinnerungs- und Gedenkort von besonderer ortsgeschichtlicher Bedeutung ist. Der Bildstock wurde auf der linken Seite dieser Anlage – vom Schlossweg aus gesehen – aufgestellt und fügt sich harmonisch in das historische Ensemble ein.
Für den neuen Standort sprach nicht nur die bessere Einsehbarkeit und damit der größere Schutz vor erneutem Vandalismus. Auch der historische Bezug bleibt erhalten: Gestiftet wurde der Bildstock im Jahr 1920 von Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg zum Gedenken an Karl Ernst Knodt. Mit der Aufstellung in unmittelbarer Nähe zum Schönberger Schloss und in einem würdigen historischen Umfeld bleibt die Verbindung zur Stifterin ebenso gewahrt wie die Erinnerung an den Dichter.
Der Bildstock wurde von den Professoren Heinrich Metzendorf und Philipp Otto Schäfer entworfen. Unter seinem kleinen Giebeldach befindet sich eine Bildtafel mit einer Darstellung des Dichters Karl Ernst Knodt, der einer Quellnymphe begegnet. Die Darstellung nimmt Bezug auf sein Werk „Fontes Melusinae“, dessen Titel ebenso wie das Mörike-Zitat „Und immer behalten die Quellen das Wort.“ Bestandteil der Inschrift sind. Im Sockel erinnert zudem die Widmung „Dem Dichter und Freund gewidmet von Marie F. zu Erbach Schönberg“ an die Stifterin des Denkmals.
Bereits im Jahr 1975 wurde der Bildstock durch Vandalismus beschädigt. In der Folge wurde das Denkmal durch den Steinmetzmeister Hans Helmut Friedl aus Auerbach restauriert und an seinem ursprünglichen Standort in den Brunnenweganlagen wieder aufgestellt.
Karl Ernst Knodt wurde 1856 in Eppelsheim geboren und lebte ab 1904 in Bensheim. Der evangelische Pfarrer musste sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und widmete sich fortan verstärkt seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Als Dichter und Heimatforscher pflegte er enge Kontakte zu bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter Hermann Hesse und Hans Thoma. Er starb im September 1917 in Bensheim.
Mit der abgeschlossenen Restaurierung und der Neuaufstellung bleibt ein wichtiges Zeugnis der Bensheimer Kulturgeschichte dauerhaft erhalten. Zugleich trägt der neue Standort dazu bei, das Denkmal besser vor Beschädigungen zu schützen und seine historische Bedeutung künftig stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

