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Nesteldecken für Menschen mit Demenz

Bensheim | 20. August 2026 Mit viel Engagement und handwerklichem Geschick hat der Nähtreff der Pfarrei Heilig Geist Bergstraße 20 sogenannte Nesteldecken für das Netzwerk Demenz genäht. Bei einer kleinen Übergabe am Mittwoch im Pfarrzentrum Sankt Georg wurden die Decken nun an das Netzwerk übergeben.

Die 60 mal 60 Zentimeter großen Decken sind im Patchwork-Stil gestaltet und mit unterschiedlichen Knöpfen, Reißverschlüssen und weiteren Materialien versehen. Menschen mit Demenz können sie auf den Schoß legen und die verschiedenen Elemente ertasten, öffnen und schließen. Auf diese Weise können die Nesteldecken dazu beitragen, die Feinmotorik zu trainieren und vorhandene Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten.

Stephanie Gescheidle vom Netzwerk Demenz bedankte sich herzlich bei den fleißigen Näherinnen. „Das war eine Spitzenidee. Vielen Dank für dieses großartige Engagement.“ Die Organisatorin des Nähtreffs, Pia Ritzert, schilderte unter anderem den Entstehungsprozess der Unikate. Zur Herstellung mussten weder Stoffe noch Knöpfe oder Reisverschlüsse gekauft werden. Verarbeitet wurden Spenden, die der Nähtreff erhalten und noch im Fundus hatte. Der Nachhaltigkeitsgedanke spielt dabei für die Teilnehmenden grundsätzlich eine große Rolle.

„Wir freuen uns, dass wir mit der Aktion Einrichtungen in unserer Stadt unterstützen können, und hoffen, dass die Decken von ihren Empfängerinnen und Empfängern gut angenommen werden.“  Sie verwies mit Blick auf deren Langlebigkeit außerdem auf die beigefügte Waschanleitung. Wichtig ist demnach, die Nesteldecken in einem Kissenbezug zu stecken, um die beweglichen Teile zu schonen. Darüber hinaus dürfen sie nicht in den Trockner.

Die Decken werden nach der Übergabe umgehend an verschiedene Netzwerkpartner weitergegeben, darunter das Caritasheim Sankt Elisabeth, das AWO-Sozialzentrum, die Seniorenresidenz Villa Medici, das Seniorenheim Wiesengrund sowie die örtliche Tagespflege der Caritas und der Diakoniestation. Dort werden sie den Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung gestellt werden. Einige Exemplare bleiben außerdem beim Netzwerk Demenz, damit sie bei Veranstaltungen oder beim monatlichen Angehörigentreffen als Anschauungsmaterial genutzt werden können.

Wer selbst eine solche Nesteldecke nähen möchte, hat dazu am Samstag, 31. Oktober 2026, Gelegenheit. Das Netzwerk Demenz und der Nähtreff Heilig Geist bieten an diesem Tag zwei kostenlose Nähworkshops für pflegende Angehörige und Interessierte an. Der erste Workshop findet von 11 bis 14 Uhr, der zweite von 14.30 bis 17.30 Uhr statt. Grundkenntnisse im Umgang mit der Nähmaschine sollten vorhanden sein.

Pro Termin können jeweils acht Personen teilnehmen. Eine Anmeldung ist montags bis donnerstags von 8 bis 13 über Stephanie Gescheidle vom Netzwerk Demenz, Telefon 06251 86991-62, Mail an senioren@bensheim.de, möglich.

Der Nähtreff der Pfarrei Heilig Geist Bergstraße entstand 2015 aus der Anregung eines Sprachkursteilnehmers in der Gemeinde Sankt Georg. Die Idee dahinter: Die Zusammenkunft für Einheimische und Migrantinnen sollte der Integration dienen. Nahezu parallel war eine entsprechende Initiative im Verein Welcome to Bensheim entstanden. Im Frühjahr 2016 entschlossen sich die Verantwortlichen, die beiden Angebote zusammenzulegen und künftig unter der Schirmherrschaft des katholischen Pfarreienverbundes Bensheim laufen zu lassen.

Nach zögerlichen Anfängen mit etwa sechs Interessentinnen wuchs die Zahl der Teilnehmerinnen schnell auf bis zu 18 Frauen aus Afghanistan, Iran, Pakistan, Indien, Türkei, Spanien, Brasilien, Italien, Somalia und Eritrea. In lockerer Runde wurde die Sprachkompetenz ganz nebenbei gefördert und die Betreuerinnen standen den Teilnehmerinnen in allen Fragen bei der Bewältigung des deutschen Alltags zur Seite. Als „kontinuierlichen Beitrag zur Integration“ zeichnete die „Wilhelm Emmanuel von Ketteler-Stiftung“ den Nähtreff 2017 mit einem Sonderpreis aus.

Eine harte Zäsur stellte der Corona-Lockdown dar, durch den kein gemeinsames Nähen mehr möglich war. Aus den Reihen der gemeinsamen Teilnehmerinnen vom Babbeltreff des Integrationszentrums und des Nähtreffs kam ein Vorschlag, den die Organisatorinnen gerne aufgriffen: Man wollte sich – in Heimarbeit – an der Produktion von Mund-Nasen-Schutzmasken beteiligen, die nun an allen Ecken und Enden gebraucht wurden. Insgesamt wurden von den Teilnehmerinnen und einigen ihrer Freundinnen, die sich der Aktion anschlossen, rund 4500 Mundschutzmasken genäht.

Das war die Geburtsstunde der bis heute ein bis zweimal pro Jahr durchgeführten „Charity“-Projekte. Von Kinder-Sonnenhütchen für ein Flüchtlingslager auf Lesbos bis zu warmen Mützen und Schals für die Ukraine wurden so über die Jahre viele Projekte unterstützt.

Besonders erwähnenswert: Der Nähtreff trägt sich unter der Führung von sieben Betreuerinnen seit seiner Gründung nahezu ausschließlich aus (Sach)-Spenden.

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