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Rund 70 Engagierte, unzählige Ideen und ein gemeinsames Ziel: Integration in Bensheim durch Ehrenamt weiter stärken

Bensheim | 23. April 2026 Ein lebendiges Stimmengewirr erfüllte am vergangenen Freitagabend das Dorfgemeinschaftshaus im Bensheimer Stadtteil Schwanheim: Menschen stehen in kleinen Gruppen zusammen, tauschen sich aus, knüpfen Kontakte. Bereits beim Ankommen wird deutlich: Dieses erste Vernetzungstreffen der ehrenamtlich Engagierten in der Integrationsarbeit, das im Rahmen des KISI-Förderprojekts stattfindet, trifft einen Nerv. Rund 70 Teilnehmende aus zahlreichen unterschiedlichen Initiativen, Vereinen und Organisationen, aber auch Einzelhelfer sind der Einladung gefolgt – viele von ihnen lernen sich an diesem Abend zum ersten Mal kennen.

Erster Stadtrat Frank Daum eröffnet den offiziellen Teil – mit einer Botschaft, die den Ton des Abends setzt: Wertschätzung. In seiner Rede würdigt er das Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die sich oft im Stillen für Integration, Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. „Integration findet vor allem dort statt, wo Menschen einander begegnen“, betont Daum – im Sportverein, im Sprachkurs, bei der Hausaufgabenhilfe oder schlicht im Alltag.

Sein Dank richtet sich ausdrücklich an die Engagierten vor Ort, aber auch an die Organisatorinnen und Organisatoren des Treffens, die KISI-Integrationsguides Natalia Rathke und Janik Hartnagel in Kooperation mit Deniz Inial, Koordinationsstelle Asyl und Ehrenamt.

Wie groß und vielfältig die ehrenamtliche Bensheimer Integrationslandschaft ist, zeigt sich im weiteren Verlauf des Abends eindrucksvoll. Ehrenamtliche stellen ihre Arbeit vor, berichten von Projekten und Angeboten – von Sprachförderung und Hausaufgabenhilfe über Sport- und Kulturangebote bis hin zu Begegnungsformaten für Jung und Alt.

Die Organisatoren der Veranstaltung, die bereits vor der Veranstaltungsvorbereitung einige ehrenamtliche Engagierte kannten, waren über die lange Liste an Anmeldungen überrascht – einige Initiativen seien selbst ihnen bislang nicht bekannt gewesen. Tatsächlich reicht das Spektrum von etablierten Angeboten wie offenen Frauentreffs oder der Unterstützung durch die vielen Integrationslotsen über kreative Projekte wie Handarbeitstreffs und interkulturelles Kochen bis hin zu Sportangeboten, Fahrradkursen oder digitalen Unterstützungsformaten für ältere Menschen.

Eine wichtige Rolle innerhalb dieser vielfältigen Angebotslandschaft übernehmen zudem einzelne Koordinatorinnen und Akteure: So werden digitale Angebote für ältere Menschen sowie Projekte wie „Paten für Ausbildung“ von Andrea Schumacher des städtischen Teams Familie, Jugend, Senioren & Vereine betreut. Das Förderprojekt der Integrationslotsen wird von Natalia Rathke, das Förderprojekt Sport integriert sowie die Angebote im städtischen Integrationszentrum von Ursula Kuzdral Seliger aus dem städtischen Team Soziales und Integration begleitet, während Begegnungsangebote unter anderem von Deniz Inal organisiert werden. Weitere Unterstützungsangebote bringt Stefanie Frank vom Caritas Mehrgenerationenhaus ein – ein Zusammenspiel, das die Vielfalt und Struktur der Integrationsarbeit in Bensheim zusätzlich stärkt.

Neben städtischen Initiativen sind auch unabhängige Einzelhelfer sowie Gruppen vertreten – etwa der Verein Welcome to Bensheim, die Marokkanische Kulturgemeinschaft, der Verein Synergie Bergstraße, die Afghanische Fußballgemeinschaft, aber auch die Babbeltreff-Gruppen oder etwa die Lesezeit. Sie alle eint der Wunsch, Menschen zusammenzubringen und Teilhabe zu ermöglichen.

Ein wichtiger Schritt, wie auch Deniz Inal betonte, die sich über die Kooperation mit den KISI-Integrationsguides freut: Die Zusammenarbeit verschiedener Akteure sei entscheidend, um die Integrationsarbeit nachhaltig zu stärken.

KISI: Struktur für gelebte Integration
Ein zentraler Baustein des Abends ist die Vorstellung des Projekts „KISI – Kommunale Integrationsguides zur Stärkung der Integrationserfolge“, das seit Oktober 2025 in Bensheim umgesetzt wird. Janik Hartnagel erläutert dem Auditorium die Zielsetzung: Integration soll nicht nur beim Ankommen helfen, sondern langfristig ein Gefühl von Zuhause schaffen.

Das Projekt setzt dabei auf vier zentrale Säulen – von der individuellen Ankommensbegleitung von Drittstaatsangehörigen über die Verbesserung von Verwaltungsstrukturen bis hin zur Förderung des Ehrenamts und der aktiven Netzwerkarbeit. Integrationsguides fungieren als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Ehrenamt und den Menschen vor Ort.

Ein wichtiger Aspekt dabei: Ehrenamtliches Engagement kann im Rahmen des Projekts unter bestimmten Voraussetzungen auch finanziell unterstützt werden – etwa durch Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Einsätze und Angebote. Diese Tätigkeiten werden – auch zum Schutz der persönlichen Daten der Ehrenamtlichen – von den Integrationsguides koordiniert. Die Integrationsguides rufen alle Interessierten auf, ihr Engagement im Ehrenamt gezielt im Rahmen des Projekts KISI einzubringen. Bei Fragen oder Interesse stehen die KISI-Integrationsguides per E-Mail unter kisi@bensheim.de sowie telefonisch bei Natalia Rathke (06251 / 14 185) oder Janik Hartnagel (06251 / 14 209) gerne zur Verfügung.

Begleitet wird das Projekt auf Landesebene, wie Frank Hendrik Hofmeister vom Hessischen Sozialministerium betont: „Integrationsarbeit findet in den Kommunen statt – genau hier setzt das Projekt KISI unterstützend an.“ Besonders hebt er die Arbeit der beiden Bensheimer Integrationsguides hervor, die „über die Grenzen von Bensheim hinaus ganz Hessen repräsentieren“. Das Projekt wird durch den europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) finanziert sowie durch das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales kofinanziert.

Die KISI-Integrationsguides planen gemeinsam mit dem Verein Welcome to Bensheim, ein digitales Ehrenamts-Portal zu erstellen. Dieses soll nach dem Vorbild des bereits vom Verein betriebenen „Portals der Möglichkeiten“ aufgebaut werden. Martin Zencke, Mitglied des Vereins Welcome to Bensheim, stellte das geplante Portal anhand des bestehenden Angebots vor und erläuterte das Ziel, die Sichtbarkeit und Vernetzung der vielfältigen ehrenamtlichen Angebote in der Integrationsarbeit zu verbessern und an einem zentralen Ort zu bündeln.

Im Anschluss wird es dann praktisch: In Kleingruppen diskutieren die Teilnehmenden des Vernetzungstreffens zentrale Fragen der Integrationsarbeit. Welche Bedarfe äußern Migrantinnen und Migranten? Welche Angebote funktionieren bereits gut – und wo gibt es Lücken?

Schnell wird klar: Häufig genannte Themen sind Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, Sprachförderung, Unterstützung bei Anträgen und im Alltag, Orientierung im Behördenalltag sowie soziale Kontakte über Freizeitangebote.

Viele bestehende Maßnahmen greifen diese Bedarfe bereits auf, etwa Sprachkurse, Begegnungscafés, Sportgruppen oder Patenschaftsprojekte. Gleichzeitig entstehen neue Ideen: mehr interkulturelle Begegnungsräume, gezielte Angebote für Jugendliche oder Senioren, stärkere Einbindung digitaler Formate oder eine bessere Koordination von Angeboten, um Doppelstrukturen zu vermeiden.

Einigkeit herrscht dabei darüber, dass Vernetzung der Schlüssel ist – genau das, was dieses Treffen ermöglicht.

Nach der Vorstellung ihrer Gruppen-Ergebnisse gehen die Teilnehmenden erneut in einen offenen Austausch über, der letztlich nicht wirklich endete. Denn viele Gespräche kamen in Gange und neue Kontakte wurden geknüpft, die hoffentlich lange über den Abend hinauswirken.

Dieses erste Vernetzungstreffen hat gezeigt, wie viel ehrenamtliches Engagement in Bensheim steckt – und welches Potenzial entsteht, wenn Menschen zusammenkommen.

Oder, wie es ein Teilnehmer am Rande formulierte: „Wir wussten gar nicht, wie viele wir sind.“

Das Organisationsteam der Veranstaltung bedankt sich bei allen Teilnehmenden und freut sich auf weiteren Austausch sowie neue Ehrenamtliche.

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