Bensheim | 15. Juli 2026 An warmen Sommerabenden ziehen sie pfeilschnell durch die Straßen, ihre Rufe gehören zum Klang des Sommers: für viele Menschen sind Mauersegler und Schwalben untrennbar mit der heißen Jahreszeit verbunden. Doch während draußen die Temperaturen steigen, kämpfen unter Dachvorsprüngen, in Mauerspalten und Dachnischen vielerorts insbesondere noch nicht flugfähige Jungvögel ums Überleben. Für Mauersegler, Schwalben, Haussperlinge, Hausrotschwänze und andere Gebäudebrüter werden die immer früher und intensiver auftretenden Hitzewellen zunehmend zur Gefahr. Wo sich Brutplätze auf mehr als 50 Grad aufheizen, wird aus einem sicheren Nest innerhalb weniger Stunden eine lebensbedrohliche Hitzefalle. Immer wieder verlassen die Jungtiere in ihrer Not die Brutplätze viel zu früh – sie landen hilflos oder verletzt auf dem Boden, viele überleben den Sturz in die Tiefe nicht.
„Wir erleben die Folgen des Klimawandels nicht nur auf Thermometern oder in Wetterstatistiken – sie werden auch in unseren Städten und Gemeinden greifbar“, sagt die Umweltbeauftragte Maria Romero-Martin der Stadt Bensheim. „Wenn Jungvögel aus überhitzten Nestern springen, zeigt das auf bedrückende Weise, wie eng Klimaschutz, Klimaanpassung und Artenschutz inzwischen miteinander verbunden sind. Diese Entwicklung sollte uns alle aufrütteln.“
Besonders betroffen sind Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalben, Haussperlinge und Hausrotschwänze. Viele ihrer Nester befinden sich unter Dachvorsprüngen, in Dachnischen oder Mauerspalten. Diese Brutplätze boten über Jahrzehnte gute Bedingungen. Durch die zunehmende Zahl extremer Hitzetage geraten sie jedoch immer häufiger an ihre Grenzen – vor allem dann, wenn die heißen Tage so früh im Jahr auftreten, wie zuletzt Mitte, Ende Juni.
Dabei befinden sich viele Jungvögel gerade jetzt noch mitten in der Aufzucht. Während erste Tiere bereits flügge sind, sitzen zahlreiche Mauersegler und Schwalben Anfang Juli noch in ihren Nestern und sind vollständig auf den Schutz ihrer Brutplätze angewiesen.
„Der Erhalt der biologischen Vielfalt beginnt oft direkt vor unserer Haustür“, betont Umweltdezernent Frank Daum. „Gebäude sind heute wichtige Lebensräume für viele geschützte Vogelarten. Deshalb müssen wir Stadtentwicklung, energetische Sanierung und Klimaanpassung so gestalten, dass Mensch und Natur gleichermaßen profitieren. Wer Lebensräume schützt, stärkt die Artenvielfalt und macht unsere Stadt zugleich widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels.“
Die Stadt weist darauf hin, dass Brutstätten und damit auch die Gebäudebrüter nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt sind. Nester dürfen nicht entfernt oder zerstört werden. Bei Sanierungen und Modernisierungen müssen bestehende Brutplätze erhalten oder durch geeignete Nisthilfen ersetzt werden. Schon kleine Maßnahmen können einen wichtigen Beitrag leisten, damit Mauersegler und Schwalben auch künftig zum vertrauten Bild und Klang des Sommers gehören.
„Wer einen jungen Mauersegler oder eine Schwalbe am Boden findet, sollte genau hinsehen. Während bereits flügge Schwalben häufig weiterhin von ihren Eltern versorgt werden, benötigen junge Mauersegler in aller Regel Hilfe. Sie können vom Boden aus meist nicht selbst starten“, erklärt Maria Romero-Martin, die aktuell ebenfalls ein betroffenes Jungtier in ihre Obhut genommen hat und weitere Tipps zum Umgang mit den Vögeln gibt: „Das Tier sollte vorsichtig gesichert und in einen kleinen Karton mit Luftlöchern gesetzt werden. Wichtig ist, den Vogel nicht in die Luft zu werfen sowie weder Wasser noch Futter einzuflößen“, betont Romero-Martin und ergänzt: „Die Stadt Bensheim plant daher, Schulungen für Interessierte anzubieten, die dann als ehrenamtliche Ersthelferinnen und Ersthelfer für den Umgang mit den in Not geratenen Wildvögeln qualifiziert sind. Ziel ist es, Tiere fachgerecht zu sichern, zu versorgen und damit die Wildvogelstationen in Zeiten hoher Auslastung gezielt zu entlasten.“
Da viele Wildvogelstationen, Tierheime sowie geschulte ehrenamtliche Einzelpersonen derzeit bereits an ihrer Belastungsgrenze arbeiten oder vorübergehend keine weiteren Tiere aufnehmen können, empfiehlt es sich, zunächst telefonisch Kontakt zu einer Wildvogelhilfe, einem Tierheim oder einer Tierarztpraxis aufzunehmen und das weitere Vorgehen abzustimmen. So erhält das Tier die bestmögliche Hilfe, ohne die ohnehin stark beanspruchten Pflegestellen zusätzlich zu belasten.
Die zunehmenden Hitzewellen zeigen, dass es sich dabei längst nicht mehr um Einzelfälle handelt: „Klimaanpassung schützt nicht nur den Menschen, sondern auch die Tiere, die unsere Städte seit Generationen mit uns teilen. Was sich unter den Dächern abspielt, bleibt oft unsichtbar – seine Bedeutung für den Erhalt unserer heimischen Artenvielfalt ist jedoch umso größer“, so Umweltdezernent Daum abschließend.
Weitere Informationen zum Thema
Informationen, auch zu anderen Wildtieren, die Hilfe benötigen:
www.nabu-bensheim.de und www.nabu-bergstrasse.de
Informationen zur Erstversorgung der Tiere, bis ein Platz in einer professionellen Einrichtung frei geworden ist: www.wildvogelhilfe.org
Infos, Meldung eines Wildvogels und Anfrage zur Unterbringung: www.ehrenamtliche-wildvogelhilfe.com
Ansprechperson bei der Stadt Bensheim:
Umweltberaterin Maria Romero-Martin
Telefon: 06251 14-213
Mail an umwelt@bensheim.de
