Bensheim | 15. Mai 2026 Herr Daum, der Pavillon auf der Rückseite des Bensheimer Bahnhofs wurde kürzlich zurückgebaut. Warum hat sich die Stadt zu diesem Schritt entschieden?
Erster Stadtrat Frank Daum: Der Pavillon wurde 2019 mit einer klaren Zielsetzung errichtet: Er sollte Menschen, die sich regelmäßig im Bahnhofsumfeld aufhalten, einen geschützten Aufenthaltsort bieten und gleichzeitig die Situation für Passantinnen und Passanten an der Unterführung entzerren. Dieses Konzept hat über einen gewissen Zeitraum auch funktioniert. In den vergangenen Monaten haben wir jedoch festgestellt, dass sich die Nutzung deutlich verändert hat. Es kam vermehrt zu Situationen, die insbesondere im Zusammenhang mit hohem Alkoholkonsum standen und von vielen Bürgerinnen und Bürgern als unangenehm oder auch konflikthaft wahrgenommen wurden. Vor diesem Hintergrund war es notwendig, die Situation neu zu bewerten und entsprechend zu handeln.
Was genau hat sich denn im Vergleich zu früher verändert?
Daum: Die ursprüngliche Nutzergruppe ist heute in dieser Form kaum noch vor Ort anzutreffen. Stattdessen hat sich rund um den Pavillon eine andere Dynamik entwickelt. Dabei geht es weniger um das bloße Verweilen, sondern häufiger um Verhaltensweisen, die das Umfeld stärker belasten – etwa durch übermäßigen Alkoholkonsum, lautstarke Auseinandersetzungen oder ein Auftreten, das von Passanten als aggressiv empfunden wird. Uns ist wichtig zu betonen: Es geht hier nicht um eine pauschale Bewertung von Menschen, sondern um konkrete Entwicklungen an diesem Ort, auf die wir reagieren müssen.
Kritiker könnten sagen, die Stadt verdränge damit lediglich das Problem. Wie sehen Sie das?
Daum: Uns ist bewusst, dass sich die Problematik weiter in den öffentlichen Raum verlagern könnte. Der Rückbau ist daher kein isolierter Schritt, sondern Teil eines abgestimmten Gesamtkonzepts. Wir verstärken die Präsenz der Stadtpolizei, insbesondere im Bereich der Unterführung. Ziel ist es, frühzeitig zu reagieren und zu verhindern, dass sich neue feste Treffpunkte mit ähnlichen Problemlagen etablieren.
Bedeutet das konkret mehr Kontrollen vor Ort?
Antwort: Ja, die Stadtpolizei wird dort künftig verstärkt präsent sein und regelmäßige Kontrollen durchführen. Dabei geht es nicht nur um ordnungsrechtliches Einschreiten, sondern auch um Präsenz und Ansprechbarkeit. Alle, die den Bahnhof nutzen, sollen sich dort sicher fühlen können – das ist, soweit es in unserer Macht steht, unser Anspruch.
Welche Rolle spielen soziale Angebote in diesem Zusammenhang?
Daum: Eine sehr wichtige. Wir wissen, dass ordnungsrechtliche Maßnahmen allein nicht ausreichen. Deshalb arbeiten wir weiterhin eng mit dem Diakonischen Werk zusammen, dessen Mitarbeitende Zugang zu den unterschiedlichen Personengruppen haben. Ziel ist es, Konflikte möglichst früh zu erkennen und Lösungen anzubieten, die über reine Verdrängung hinausgehen.
War der Pavillon im Nachhinein also ein Fehler?
Daum: Nein, das würde ich so nicht sagen. Der Pavillon war zu seiner Zeit eine sinnvolle und gut begründete Maßnahme, die auch gemeinsam mit der damaligen Nutzergruppe entwickelt wurde. Aber öffentliche Räume sind dynamisch, und Nutzungen verändern sich. Deshalb müssen auch wir als Stadt flexibel reagieren und unsere Maßnahmen anpassen. Genau das haben wir hier getan.

