Bensheim | 30. April 2026 Die Stadt Bensheim setzt ein weiteres Zeichen gelebter Solidarität: Erneut macht sich in den kommenden Wochen ein Feuerwehrfahrzeug aus dem Bestand der Stadt auf den Weg nach Khmelnytskyj in der Ukraine, um dort Einsatzkräfte in einer weiterhin äußerst schwierigen Lage und unter katastrophalen Bedingungen zu unterstützen. Damit knüpft Bensheim an eine Reihe von Hilfsaktionen an, die seit Beginn des Krieges von großem Engagement und enger Verbundenheit geprägt sind.
Bei dem Wagen handelt es sich um das ehemalige Löschfahrzeug der Feuerwehr Fehlheim (Baujahr 1998) mit einer Laufleistung von 13.700 Kilometern. Das Fahrzeug ist vollständig abgeschrieben und weist einen Restwert von rund 1.000 Euro auf. Der Magistrat stimmte der Spende geschlossen zu.
Am Mittwoch wurde das LF 8/6 am Feuerwehrstützpunkt in Bensheim von Jürgen Pfliegensdörfer und Ralph Finkenwirth entgegengenommen, die es an den Bestimmungsort in der Ukraine überführen werden. Nach der Übergabe reisen sie per Bahn und Flugzeug zurück.
Bürgermeisterin Christine Klein betont die Bedeutung dieses Engagements: „Gerade in Zeiten großer Not ist es unsere gemeinsame Verantwortung, Hilfe zu leisten und Solidarität zu zeigen. Die Lage der Einsatzkräfte in der Ukraine ist nach wie vor dramatisch. Umso wichtiger ist es, dass wir als Stadt unseren Beitrag leisten können. Mein besonderer Dank gilt allen Helferinnen und Helfern, die sich mit großem persönlichem Einsatz für diese Aktionen engagieren. Ohne dieses Engagement wären solche Unterstützungsleistungen nicht möglich.“ Sie hob beim Ortstermin exemplarisch Ralph Finkenwirth hervor, der ein Mann der „leisen Töne und großen Taten“ sei.
Mit dem Löschfahrzeug werden 1,5 Tonnen an Hilfsgütern in die Ukraine transportiert, darunter ein Batteriespeicher für eine Photovoltaikanlage – alles finanziert durch den Verein Wir sind Bergstraße. Darauf wies Jürgen Pfliegensdörfer hin.
Der Kontakt nach Khmelnytskyj besteht bereits seit dem ersten Hilfstransport im Oktober 2022. Vermittelt wurde dieser durch die Familie Finkenwirth aus Auerbach. Deren Tochter Allegra, damals Mitglied der Jugendfeuerwehr Auerbach, mittlerweile in die aktive Wehr gewechselt, hatte über das ehemalige Au-pair der Familie, Anastaia Opalink, von dem dringenden Bedarf eines Feuerwehrfahrzeugs in ihrer Heimat erfahren, wo ihr Onkel im Einsatz ist.
Auf dieser Grundlage beschloss der Magistrat der Stadt Bensheim zunächst die Weitergabe eines ausrangierten, jedoch runderneuerten Tanklöschfahrzeugs der Feuerwehr Auerbach. Seither stehen die Bensheimer Feuerwehren in regelmäßigem Austausch mit den Einsatzkräften vor Ort und erhalten fortlaufend Berichte über die weiterhin angespannte Lage. Immer wieder erreichen die Verantwortlichen konkrete Hilfeersuchen aus Khmelnytskyj, das rund 1.600 Kilometer von Bensheim entfernt liegt. In der Region leben rund 1,5 Millionen Menschen. Feuerwehrautos sind dort Mangelware – und die Lage vor Ort, 280 Kilometer westlich von Kiew, ist nach wie vor angespannt. Die Stadt wird immer wieder von russischen Raketen oder Drohnen attackiert.
In den vergangenen Jahren folgten weitere Unterstützungsleistungen: Im Frühjahr 2023 wurde ein ausgemustertes Tanklöschfahrzeug der Werksfeuerwehr von Dentsply Sirona übergeben. Im Oktober 2023 reiste eine Delegation aus der Ukraine nach Bensheim, um ein Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Gronau entgegenzunehmen. Zudem konnte eine Drehleiter der Feuerwehr Mörfelden-Walldorf bereitgestellt werden.
Ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung der Hilfsmaßnahmen kommt von den Vereinen „Wir sind Bergstraße“ sowie dem Team Bensheim der „Tour der Hoffnung“, die seit Beginn des russischen Angriffskriegs mit großem ehrenamtlichem Engagement aktiv sind und unter anderem die Finanzierung sicherstellen.
Im Sommer 2024 wurde zudem die ehemalige Bensheimer Drehleiter (Baujahr 1996) an die Einsatzkräfte in Khmelnytskyj übergeben. Alle Fahrzeuge sind nach wie vor im Einsatz und funktionstüchtig. Im vergangenen Jahr folgte ein weiterer Hilfstransport mit umfangreichen Sachspenden. Neben feuerwehrtechnischer Ausrüstung umfasste die Lieferung unter anderem Kindersitze, Spielzeug, Hygieneartikel, medizinische Produkte, Monitore und Sportschuhe.
Mit der erneuten Fahrzeugspende unterstreicht die Stadt Bensheim ihre Solidarität mit den ukrainischen Einsatzkr��ften und setzt ein weiteres Zeichen gelebter internationaler Hilfe und Partnerschaft. Aus der Unterstützung sind längst Freundschaften erwachsen. Gerne hätte die Bürgermeisterin auch wieder eine Abordnung aus Khmelnytskyj in Bensheim begrüßt, was dieses Mal aus zeitlichen Gründen nicht möglich war. Christine Klein steht darüber hinaus im Austausch mit ihrem Amtskollegen, der sehr dankbar für die Hilfe von der Bergstraße ist.
Die Kameradinnen und Kameraden in Fehlheim haben ihr neues Löschfahrzeug seit Jahresbeginn im Einsatz. Bei zwei Alarmierungen hat sich die Neuanschaffung bereits bewährt, erklärte Wehrführer Sascha Klein. Geweiht wird das Fahrzeug beim Tag der offenen Tür der Fehlheimer Feuerwehr am 13. und 14. Juni rund um das Gerätehaus am Dorfplatz. Dort wird samstags ab 18 Uhr und sonntags ab dem Vormittag ein abwechslungsreiches Programm geboten.



