Bensheim | 25. Juni 2026 Einen besonderen Besucher empfing Christine Klein am Mittwoch im Rathaus: Philip Voron aus Los Angeles, Ururenkel der jüdischen Bensheimer Familie Wolf, traf die Bürgermeisterin zu einem persönlichen Austausch. Voron war anlässlich der feierlichen Wiedererrichtung des Grabmals von Hannchen und Moses Wolf nach Deutschland gereist und nahm als Ehrengast an der Zeremonie auf dem jüdischen Friedhof in Alsbach teil.
Für die Bürgermeisterin war die Begegnung weit mehr als ein offizieller Termin. „Hinter jedem Namen, hinter jedem Schicksal stehen Menschen und Familien. Dass mit Philip Voron heute ein Nachfahre der Familie Wolf nach Bensheim kommt, verleiht der Erinnerung eine ganz persönliche und bewegende Dimension“, verdeutlichte Christine Klein im Beisein von Stadtrat Dr. Rolf Tiemann sowie Frank Maus und Peter Ströbel (beide Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl). Die Wiedererrichtung des Grabmals sei ein wichtiges Zeichen gegen das Vergessen und für die Würde der Menschen, deren Leben durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört wurde.
Moses Wolf und seine Ehefrau Hannchen, geborene Rosenthal, lebten zunächst in Bickenbach und später in Bensheim. In unmittelbarer Nähe des heutigen Kaufhauses Ganz betrieben sie eine Mehl- und Futterhandlung. Nach dem Tod von Moses Wolf im Jahr 1927 wurde er auf dem jüdischen Friedhof in Alsbach beigesetzt. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde sein Grabmal zerstört und das Grab so stark verwüstet, dass es für die Nachfahren später kaum noch zu identifizieren war.
Das Schicksal der Familie Wolf steht beispielhaft für die Verfolgung jüdischer Familien während der NS-Zeit. Hannchen Wolf wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet. Ihrem Sohn Jakob gelang bereits 1937 gemeinsam mit seiner Familie die Flucht in die Vereinigten Staaten. Dort fanden die Nachkommen der Familie eine neue Heimat.
Ausgangspunkt für die Wiedererrichtung des Grabmals war die Arbeit der Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl. Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich unter der Leitung von Maus und Strobel im Rahmen ihrer historischen Recherchen mit der Geschichte der Familie Wolf und entwickelten daraus ein Projekt, das weit über die Rekonstruktion eines Grabsteins hinausgeht.
Zu den einzelnen Schritten gehörten die Erforschung und Aufarbeitung der Familiengeschichte, die Spurensuche auf dem jüdischen Friedhof in Alsbach, archäologische Grabungen nach Fragmenten des zerstörten Grabsteins sowie deren Bergung.
„Es ist beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement sich junge Menschen für die Erinnerungskultur einsetzen“, betonte Bürgermeisterin Klein. „Die Schülerinnen und Schüler leisten damit einen wichtigen Beitrag, Geschichte sichtbar zu machen und Verantwortung für unsere demokratische Gegenwart zu übernehmen.“
Das Projekt wurde von zahlreichen Partnern und Unterstützern begleitet, darunter der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen, der Museumsverein Alsbach-Hähnlein, die evangelische Kirche, die Melibokusschule Alsbach-Hähnlein sowie weitere Förderer und Sponsoren. Unterstützt wurde das Vorhaben unter anderem durch die Partnerschaft für Demokratie Bensheim, die im Jahr 2025 Fördermittel in Höhe von 1000 Euro bereitstellte.
Christine Klein bedankte sich bei Philip Voron, der vor dem Gespräch im Rathaus unter anderem das Wohnhaus seiner Vorfahren in der Fußgängerzone besuchte, für den interessanten Austausch sowie bei Frank Maus und Peter Strobel für deren Engagement im Zusammenspiel mit den Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule.


