Bensheim | 1. September 2026 Wenn die Sonne vom Himmel brennt, wird Schatten schnell zu einem raren Gut. Auf mehreren Bensheimer Spielplätzen gibt es deshalb künftig eine feste Lösung: Große, fest installierte Sonnenschirme schaffen zusätzliche schattige Aufenthaltsbereiche für Kinder und ihre Familien. Mit dem Projekt reagiert die Stadt auf die zunehmende Bedeutung von Beschattung angesichts der klimatischen Veränderungen.
Die ersten Schirme wurden inzwischen auf dem Spielplatz am Hochstädter Haus sowie auf den Spielplätzen am Jakobsweg und an der Bleiche aufgestellt. Insgesamt fünf Großschirme kommen in diesem ersten Umsetzungsschritt zum Einsatz: In Hochstädten wird ein Schirm installiert, am Jakobsweg und auf dem Spielplatz Bleiche jeweils zwei.
„Wir wollen mit diesem Projekt einen Beitrag dazu leisten, dass Spielplätze auch bei hohen Temperaturen gut genutzt werden können. Gerade Kinder brauchen beim Spielen im Freien Möglichkeiten, sich zwischendurch im Schatten aufzuhalten“, erklärt Erster Stadtrat Frank Daum. „Dabei war uns wichtig, eine Lösung zu finden, die den Anforderungen des öffentlichen Raums gerecht wird. Die neuen Schirme sind wesentlich stabiler als frühere Modelle, lassen sich dauerhaft verankern und müssen nicht bei jedem Wetterereignis aufwendig ab- und wieder aufgebaut werden. Das macht die Beschattung im Alltag praktikabel.“
Die Frage, wie auf öffentlichen Spielplätzen zusätzliche Schattenbereiche geschaffen werden können, beschäftigt die Stadt bereits seit längerer Zeit. In den vergangenen Jahren gab es dazu auch wiederholt Anfragen und Wünsche aus den Ortsbeiräten.
Sonnensegel, wie sie auf den Außenanlagen der städtischen Kindergärten bereits seit vielen Jahren zur Grundausstattung gehören, sind für öffentliche Spielplätze nur eingeschränkt geeignet. Neben der Vandalismus-Anfälligkeit spielt dabei insbesondere die erforderliche Handhabung eine Rolle. Sonnensegel müssen beispielsweise saisonal auf- und abgebaut werden.
Bei Sonnenschirmen war lange Zeit insbesondere die mangelnde Stabilität ein Problem. Die technischen Möglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren jedoch deutlich weiterentwickelt. Moderne Großschirme verfügen über eine wesentlich höhere Standfestigkeit und können mit speziellen Bodenschrauben ohne aufwendiges Betonfundament verankert werden. Dadurch wird die Installation nicht nur kostengünstiger, sondern auch flexibler.
Die nun eingesetzten Schirme sind so ausgelegt, dass sie auch höheren Windgeschwindigkeiten bis hin zu Sturm standhalten können. Sie werden im Frühjahr geöffnet und im Herbst geschlossen und bleiben ansonsten – geschützt durch eine entsprechende Hülle – am jeweiligen Standort. Ein früher bei Sonnenschirmen notwendiges, kostenintensives mehrfaches Öffnen, Schließen sowie Aus- und Einbauen abhängig von einzelnen Wetterereignissen ist damit nicht mehr erforderlich.
Auch die verwendete Bespannung ist auf die besonderen Anforderungen im öffentlichen Raum ausgelegt. Sie ist besonders robust und UV-abweisend und entspricht in ihrer Beschaffenheit in etwa einer Lkw-Plane.
Der Umsetzung ging eine umfassende Prüfung der Bensheimer Spielplätze durch das städtische Team Gebäude und Freiflächen voraus. Dabei wurde untersucht, welche Standorte grundsätzlich für die Installation von Sonnenschirmen geeignet sind und welche technischen und räumlichen Möglichkeiten jeweils bestehen. Auf dieser Grundlage wurde eine Prioritätenliste erstellt.
Bereits für das Haushaltsjahr 2025 waren zunächst 45.000 Euro für erste Beschattungsmaßnahmen vorgesehen. Aufgrund der damaligen Haushaltslage wurde von einer Umsetzung im Jahr 2025 jedoch abgesehen und die Mittel wurden in das Haushaltsjahr 2026 übertragen. Im Zuge der weiteren Markterkundung zeigte sich zudem, dass für die schrittweise Abarbeitung der bereits vorliegenden Wünsche und Anfragen voraussichtlich zusätzliche Mittel erforderlich sein würden. Daher wurden für 2026 weitere 25.000 Euro angemeldet.
„Das Projekt ist das Ergebnis eines längeren Vorlaufs“, betont Daum. „Von der Untersuchung der Standorte über die Priorisierung und die Bereitstellung der Haushaltsmittel bis zur Ausschreibung und schließlich zur konkreten Umsetzung waren mehrere Schritte notwendig. Entscheidend ist: Die finanziellen Mittel für das Projekt waren bereits im Haushalt 2026 eingeplant. Nach der Genehmigung des Haushalts im Juni konnte die öffentliche Ausschreibung durchgeführt und anschließend der Auftrag vergeben werden. Die jetzige Aufstellung ist somit die Umsetzung eines bereits länger geplanten Vorhabens und keine kurzfristige Einzelentscheidung.“
Für den ersten Umsetzungsschritt wurden insbesondere bereits vorliegende Wünsche aus den Ortsbeiräten berücksichtigt. Die ersten entsprechenden Anfragen kamen aus Hochstädten und Bensheim-Mitte. Darüber hinaus wurden vom Fachteam auch stark frequentierte Spielplätze wie am Jakobsweg und der Bleiche in die erste Runde aufgenommen. Das Auftragsvolumen für diesen ersten Schritt liegt bei rund 36.000 Euro.
Für andere bereits geäußerte Wünsche, beispielsweise aus Gronau und Langwaden, konnten in Abstimmung mit den jeweiligen Beteiligten andere geeignete Lösungen zur Beschattung gefunden werden.
„Wir betrachten die Beschattung nicht nach dem Prinzip, überall zwingend denselben Schirm aufzustellen“, erläutert Landschaftsarchitekt Werner Hohenadel aus dem städtischen Team Gebäude und Freiflächen. „Jeder Spielplatz hat andere Voraussetzungen. Deshalb schauen wir uns die jeweiligen Standorte genau an und suchen nach der sinnvollsten Lösung. Wo ein Großschirm geeignet ist, setzen wir ihn ein; wo sich andere Möglichkeiten anbieten, können auch diese zum Einsatz kommen.“
Mit der ersten Beschaffungsrunde ist das Projekt nicht abgeschlossen. Vom in diesem Jahr noch verfügbaren Rest der Haushaltsmittel sollen weitere Sonnenschirme angeschafft und auf geeigneten Spielplätzen aufgestellt werden. Vorgesehen sind unter anderem Standorte in Auerbach und Bensheim-Mitte.
Auch in den kommenden Haushaltsjahren soll das Thema weiterverfolgt werden. Durch die entsprechende Anmeldung vergleichbarer Haushaltsmittel soll schrittweise erreicht werden, dass auf den Spielplätzen im Bensheimer Stadtgebiet dort, wo es technisch und räumlich möglich und sinnvoll ist, beschattete Bereiche zur Verfügung stehen.
„Wir können die Beschattung der Bensheimer Spielplätze nicht mit einer einzigen Maßnahme flächendeckend lösen. Aber wir können Schritt für Schritt vorgehen und dabei die am stärksten frequentierten und besonders geeigneten Standorte berücksichtigen“, so Daum. „Angesichts zunehmender Hitzeperioden ist das eine Investition in die Aufenthaltsqualität unserer Spielplätze und damit ganz unmittelbar in die Lebensqualität von Kindern und Familien.“
Die Stadt will das Programm daher sukzessive fortführen und dabei sowohl die bestehenden Wünsche aus den Ortsbeiräten als auch die Einschätzung des Fachteams und die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten berücksichtigen.


