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Das Schicksal der Kinder

Bensheim | 23. Oktober 2026 Am Morgen des 10. November 1938 setzten Bensheimer SS-Männer die große Synagoge in Brand und zerstörten sie, am Abend kam es zu Übergriffen auf jüdische Wohnungen und Betriebe. In dieser Nacht begann die offene, systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Doch bereits lange vor diesem Datum hatten die Nationalsozialisten jüdische Familien – und damit auch deren Kinder – diskriminiert und verfolgt.

Für Dienstag, 10. November, organisiert der Auerbacher Synagogenverein in diesem Jahr wieder um 18 Uhr im Forum der Liebfrauenschule das Gedenken an die Novemberpogrome von 1928, tatkräftig unterstützt vom Eigenbetrieb Stadtkultur der Stadt Bensheim. Die Veranstalter freuen sich, dass erneut Schülerinnen und Schüler den Abend gestalten. Beiträge und Musik kommen von der Geschwister-Scholl-Schule, dem Goethe-Gymnasium und der Karl-Kübel-Schule Bensheim.

„Ich bin sehr erfreut, dass wir dieses Mal wieder so viele Jugendliche und ihre Lehrkräfte für die Gestaltung gewinnen konnten. Das ist nicht selbstverständlich, denn es erfordert Engagement über den normalen Schulalltag hinaus“, sagt Ursula Schlosser, Vorsitzende des Auerbacher Synagogenvereins und Organisatorin der Veranstaltung. Ein Dank geht auch an die Liebfrauenschule, die wieder ihr Forum zur Verfügung stellt.

Das diesjährige Gedenken steht unter dem Titel „Das Schicksal der Kinder“. Der Leistungskurs von Sebastian Kremer am Goethe-Gymnasium hat sich mehrere Monate lang mit Recherchen zu diesem Thema beschäftigt. Die Schülerinnen und Schüler widmeten sich dabei einer Gruppe, die ihnen altersmäßig nahesteht und zugleich zu den verletzlichsten Mitgliedern der Gesellschaft gehört: den Kindern. Ihr Blick richtete sich auf Bensheim und die Umgebung. „Was ist mit ihnen passiert?“, lautete ihre zentrale Frage. Um Antworten zu finden, vertieften sie sich in Dokumente des Stadtarchivs Bensheim, des Dokumentationszentrums Landjudenschaft in Lorsch und des Staatsarchivs Darmstadt.

Anhand ausgewählter Beispiele beleuchten sie die Ereignisse der NS-Zeit aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen. Viele der damaligen Betroffenen waren Schülerinnen und Schüler – also im gleichen Alter wie die Jugendlichen, die heute ihre Geschichten erforschen. Mithilfe von Biografien und historischen Quellen haben die Goethe-Schüler herausgearbeitet, wie Entrechtung und zunehmende Ausgrenzung den Alltag dieser Kinder veränderten und wie die Ereignisse rund um die Reichspogromnacht im November 1938 zu einem tiefen Einschnitt in ihren Lebensgeschichten wurden. Für diejenigen, die nicht ermordet wurden, hinterließen Flucht, Kindertransport, die Trennung von Familie und Heimat sowie der Verlust vertrauter Lebenswelten tiefe Spuren. Diese wirkten weit über das Ende der NS-Zeit hinaus.

Die Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums möchten dabei bewusst eine Brücke zur Gegenwart schlagen. Die Erfahrungen von Flucht und Verfolgung prägten nicht nur das Leben der betroffenen Kinder, sondern wirkten in ihren Familien weiter. Kinder und Enkelkinder berichten davon, was ihnen ihre Eltern beziehungsweise Großeltern erzählt haben, aber auch von dem, worüber geschwiegen wurde. Damit verbunden ist die Frage, wie diese Erfahrungen an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wurden.

Nach diesem Vortrag geht es über die Straße Richtung Bendheim-Platz zum abschließenden Gedenken, an jenen Ort, an dem bis zum 10. November 1938 die Bensheimer Synagoge stand.  Dort werden eine Schülerin und ein Schüler der Karl-Kübel-Schule literarische Zitate von Überlebenden vorlesen, die als Kinder die NS-Zeit erlebt haben. Anschließend werden sie über ihre eigenen Gedanken und Gefühle zu den Texten berichten.

Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Forum der Liebfrauenschule, das Ende ist für 19.30 Uhr geplant.

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