Bensheim | 8. September 2026 Es ist die Ruhe nach und die Ruhe vor dem Sturm am Montagmorgen in Bensheim. In der Fußgängerzone herrscht routinierte Betriebsamkeit. Bauhofmitarbeiter kümmern sich um die letzten Hinterlassenschaften der vergangenen Nacht, was ihnen in vielen Fällen gar nicht hoch genug anzurechnen ist. Standbetreiber füllen ihre Bestände wieder auf, um in wenigen Stunden beim Tag der Betriebe nicht frühzeitig auf dem Trockenen zu sitzen.
Und im Rathaus ziehen Einsatzkräfte, Hilfsorganisationen, Stadtverwaltung und der ausrichtende Verkehrsverein im Rathaus Bilanz des ersten Winzerfestwochenendes. „Wir hatten einen wunderschönen, friedlichen Auftakt mit ausgelassener Stimmung und entspannten Besucherinnen und Besuchern“, erklärten Bürgermeisterin Christine Klein und Max Scharf, geschäftsführender Vorsitzender des Verkehrsvereins. Das Bensheimer Fest der Feste machte seinem Ruf als Publikumsmagnet erneute alle Ehre.
Wenn tausende Menschen auf engem Raum zusammentreffen und dabei nicht nur stocknüchtern den Abend genießen, ist ein harmonisches Miteinander keine Selbstverständlichkeit. Schwerwiegende Zwischenfälle gab es dennoch weder am Samstag noch am Sonntag – was Erster Polizeihauptkommissar Daniel Ihrig, Leiter der Polizeistation in Bensheim, direkt bestätigte. „Das Sicherheitskonzept geht auf, die Zusammenarbeit aller Beteiligten verläuft reibungslos. Von uns aus kann es gerne so weitergehen.“
Für Diskussionen in der Öffentlichkeit sorgen die Sperrungen rund um das Winzerfest. Ihrig betont jedoch, dass diese aus seiner Sicht mit Augenmaß und der notwendigen Sorgfalt vom Veranstalter geplant und umgesetzt wurden. Die Zahl der Sperrungen habe sich im Vorjahresvergleich nicht erhöht. „Diese Maßnahmen sind wichtig, um die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher zu gewährleisten.“ Gerade bei einem Fest mit vielen Menschen, engen Straßen und großen Besucherströmen sind entsprechende Absicherungen unverzichtbar.
Das DRK hatte in den ersten 48 Stunden des diesjährigen Winzerfests etwas mehr zu tun. Besonders gefordert war der Rettungsdienst am Sonntag während des Winzerfestumzugs. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir während des Festzugs schon einmal so viele Einsätze hatten“, zitierte Sebastian Engelbrecht, Bereitschaftsleiter beim DRK Bensheim, die eingesetzte Notärztin. In den meisten Fällen handelte es sich um Kreislaufprobleme. Ein Einsatz in der Nähe des Kolpinghauses erforderte dabei eine kurze Unterbrechung des Festzugs: Damit die Rettungskräfte die betroffene Person schnell erreichen konnten, musste die bunte Parade für kurze Zeit gestoppt werden. Die Person wurde anschließend zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.
Auch im Auslaufbereich des Festzugs in der Heidelberger Straße kam es zu einem Zwischenfall. Auf einem Festwagen stürzte eine Person und zog sich dabei vermutlich einen Knochenbruch zu. Bereits im Vorfeld des Festzugs mussten zudem zwei ältere Menschen versorgt werden, die mit ihren Rollatoren gestürzt waren.
Ein größerer Einsatz ereignete sich zudem am Samstagabend oberhalb des Winzerdorfs. Dort stürzte ein Mann von einer Mauer drei Meter in die Tiefe und zog sich Verletzungen zu. Er wurde vor Ort medizinisch versorgt und anschließend zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Abgesehen von diesen Einsätzen fiel die Bilanz des Wochenendes aus Sicht des DRK jedoch ruhig aus. „Vor allem nach dem Festzug war kaum noch etwas“, lautet die Einschätzung von Sebastian Engelbrecht.
Für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer war es unterm Strich somit ein normales Festwochenende. Wer beim Winzerfest Hilfe benötigt, kann sich unter anderem in der Mobilen Sanitätsstation des DRK in der Nähe des Lammertsbrunnen versorgen lassen. Außerdem sind ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gut ausgerüstet auf dem Festgelände unterwegs. Auch die Firma Pabst, die als privater Sicherheitsdienst engagiert ist, meldete keine außergewöhnlichen Ereignisse.
Abgesehen von den Einsätzen des DRK traf dies auch auf den großen Festzug mit 80 Zugnummern zu. Die Einsatzleitung lag in den bewährten Händen des THW. Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn lobte in diesem Zusammenhang das hervorragende Zusammenwirken der Hilfsorganisationen, die es ermöglicht, schnelle und gut koordinierte Entscheidungen zu treffen. Was Karn besonders zufrieden stimmte: Rund um den Festzug konnten zwei „Alltagseinsätze“ abgearbeitet werden, ohne dass darunter die Einsatzbereitschaft für das Großereignis gelitten hätte. Unter anderem musste sich die Feuerwehr eines qualmenden Pkw auf der Autobahn annehmen. Verbesserungspotenzial sehen die routinierten Experten aber jedes Jahr. „Es gibt immer Stellschrauben, an denen wir drehen können“, so Karn. So sei in diesem Jahr vom Verkehrsverein ein neues Alarmierungssystem eingeführt worden, das ein noch schnelleres, abgestimmtes Eingreifen ermöglicht.
Rund 100 Einsatzkräfte waren am Sonntag im Dienst, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Hinzu kamen Mitarbeitende des Bauhofs, die weit vor dem Startschuss sich bereits um die Beschilderung und Absperrung kümmern – und danach dann die Hinterlassenschaften auf Straßen und Gehwegen beseitigen. Allerdings mussten 20 Fahrzeuge abgeschleppt werden, weil sie entlang der Strecke dort parkten, wo sie nicht hätten stehen dürfen. Vereinzelte Beschwerden gab es darüber hinaus wegen Bonbons, die von den Festwagen mit zu viel Begeisterung in die Menge geworfen wurden. Darauf wurde noch vor Ort reagiert. „Wir haben die Teilnehmenden angesprochen“, verdeutlichte Scharf. In der Besprechung vor dem Festzug werde explizit darauf hingewiesen, dass Süßigkeiten nicht geworfen werden sollen. Dass von den Mitwirkenden ausgiebig verteilt wurde, belegt eine Zahl. Allein der Obi-Baumarkt brachte 100.000 Gummibärchen unters Volk.
Apropos Zahlen: Wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer die Strecke nun säumten, kann nur geschätzt werden. Um die 20.000 Menschen dürften es wohl gewesen sein, bilanzierten die Verantwortlichen. Aber wer zählt die schon, wenn alle Spaß haben und sich wohlfühlen.
Ein großes Dankeschön gab es vom Verkehrsverein in Person von Max Scharf sowie von Bürgermeisterin Christine Klein für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die nicht nur, aber rund um den Festzug aktiv sind, und die Sicherheitsorganisationen für das gute Zusammenwirken und die ausgezeichnete Kommunikation. Sehr positiv hätten die Besucherinnen und Besucher auch die erhöhte und sehr freundliche Polizeipräsenz wahrgenommen.
Bis Sonntag (13.) wird noch in Bensheim gefeiert. Das komplette Programm findet sich auf der Seite des Verkehrsvereins.



