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Viele Stimmen, viele Geschichten, eine gemeinsame Leidenschaft

Bensheim | 9. Oktober 2026 Es sind Geschichten, die verbinden, neugierig machen und manchmal sogar ein kleines Fenster in eine andere Welt öffnen. In der Bensheimer Stadtbibliothek sorgen dafür nicht nur Bücher und Regale, sondern auch Menschen, die ihre Begeisterung fürs Lesen weitergeben: die Lesepatinnen und Lesepaten. Seit vielen Jahren schenken sie Kindern ihre Zeit, lesen vor, hören zu, stellen Fragen und entdecken gemeinsam mit den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern die Welt zwischen den Buchdeckeln. Ihr Engagement ist ehrenamtlich – ihre Wirkung aber reicht weit über die Vorlesestunde hinaus.

Rund 15 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit während der Vorlesesaison von Oktober bis April in der Stadtbibliothek. Jede und jeder bringt dabei die eigene Persönlichkeit, eigene Lieblingsgeschichten und ganz unterschiedliche Erfahrungen mit. So entsteht ein buntes Vorleseangebot, das von klassischen Vorlesestunden über Bilderbuchkino bis hin zu mehrsprachigem und musikalischem Vorlesen reicht.

„Die Kinder hängen an den Lippen der Lesepatinnen und Lesepaten. Wir nehmen sie mit in eine andere Welt“, sagt Claudia Daum von der Stadtbibliothek. Sie selbst betreut seit vielen Jahren das „Zwergenschmökern“ für die jüngsten Besucherinnen und Besucher. „Ich liebe es“, sagt sie über die Arbeit mit den Kindern.

Wie sehr das Vorlesen auch für die Erwachsenen zu einer Bereicherung geworden ist, zeigen die Geschichten der Ehrenamtlichen. Karin Krämer ist seit 13 Jahren als Lesepatin dabei. „Es macht mir nach wie vor ganz viel Spaß“, sagt sie. Gleichzeitig hat sie über die Jahre beobachtet, dass sich die Kinder verändert haben. Ihre Aufmerksamkeitsspanne sei kürzer geworden, viele seien nicht mehr so geduldig wie früher. Umso wichtiger seien eine gute Vorbereitung und die sorgfältige Auswahl der Lektüre. „Man muss sich schon etwas einfallen lassen“, sagt sie – und fügt hinzu: „Ich kann es nur empfehlen.“

Ralf Grüner gehört sogar schon seit 2002 zum Kreis der Lesepaten. Angefangen hat es mit dem Vorlesen für die eigene Tochter. Als diese irgendwann aus dem Alter heraus war, suchte er nach einem neuen Betätigungsfeld. Das Lesen und Vorlesen begleitet ihn ohnehin seit seiner Kindheit, und auch zur Bibliothek hatte er immer einen engen Bezug. 2012 begann er zusätzlich, Kindern in der Kita St. Albertus vorzulesen. Seit 2014 gehört dabei auch ein Hund zu seinen Vorleseterminen – heute ist es Kong. Der Vierbeiner ist längst ein Publikumsliebling und begeistert die Kinder. Und auch sein Name passt bestens zu seinem Auftritt: Kong ist eine kleine Anspielung auf „King Kong“.

Für Walther Fitz führte der Weg über seine Frau zur Vorlesetätigkeit in der Stadtbibliothek. Er gehört ebenfalls schon seit vielen Jahren zum Kreis der Lesepaten und ist damit eines der „Urgesteine“ der Runde. „Es macht viel Vergnügen“, sagt er. Anders als manche seiner Mitstreiter hat er übrigens nicht den Eindruck, dass Kinder heute grundsätzlich weniger aufmerksam einer längeren Geschichte folgen können. Beim Vorlesen greift er gerne zu Geschichten, die das Gute in den Mittelpunkt stellen.

Auch Brigitte Wagenknecht verbindet mit dem Vorlesen eine klare Botschaft: „Wer liest, ist nie allein.“ Und: „Lesen bildet.“ Seit 50 Jahren engagiert sie sich kommunalpolitisch, das Vorlesen ist für sie ein wertvoller Ausgleich. „Kinder sind wie ein Schwamm, sie saugen alles auf“, sagt sie. Gerade deshalb müsse die Politik mehr in Bildung investieren. „Das zahlt sich aus.“ Für sie selbst ist das Vorlesen jedenfalls eine große Bereicherung: „Ich gehe lesend durchs Leben.“

Seit 2013 engagiert sich Yvonne Dankwerth als Lesepatin – im Rahmen der Kooperation zwischen Stadtbibliothek und Ausländerbeirat. Bei ihren Vorleseterminen werden Geschichten in drei Sprachen erzählt. Besonders gut kommt das Bilderbuchkino an. „Die Kinder können sofort eine Verbindung herstellen“, berichtet sie. Auch für sie selbst steht fest: „Es macht viel Spaß.“

Das mehrsprachige Vorlesen zeigt dabei beispielhaft, was die Vorleseangebote der Stadtbibliothek auszeichnet: Sie öffnen Räume für Begegnung und machen deutlich, dass Geschichten viele Sprachen sprechen können.

Viele der Ehrenamtlichen begleiten die Stadtbibliothek und ihre Leseförderung bereits seit vielen Jahren. Zu ihnen gehören neben Karin Krämer, Ralf Grüner, Yvonne Dankwerth, Walther Fritz und Brigitte Wagenknecht auch Berthold Mäurer, Hannelore Schmanke und Ulrich Späth. In den vergangenen acht Jahren sind mit Jürgen Breustedt, Jana Buchmann, Laura Elges, Nadine Hofmann, Florian Schmanke und Heide Weishäupl weitere Bücherfreundinnen und -freunde  hinzugekommen.

Dass dieses Engagement auch schwierige Zeiten übersteht, hat sich während der Corona-Pandemie und der langen Schließzeit der Stadtbibliothek gezeigt. Die Ehrenamtlichen ließen sich davon nicht entmutigen. Stattdessen wurden Formate angepasst und neue Möglichkeiten gesucht. Auch besondere Aktionstage wie der Tag der Bibliotheken am 24. Oktober oder der Bundesweite Vorlesetag im November werden von einzelnen Lesepaten unterstützt.

Einige Ehrenamtliche lesen darüber hinaus regelmäßig in den Bensheimer Kindertageseinrichtungen vor. Andere bringen ihre Geschichten auch zu älteren Menschen: So engagieren sich einzelne Lesepatinnen und Lesepaten zusätzlich in Pflegeeinrichtungen und lesen dort für Seniorinnen und Senioren.

Eine ganz besondere Verbindung von Geschichte, Vorlesen und Technik entstand 2022. Gemeinsam mit dem Parktheater wurde die Bensheimer Kindergeschichte „Die Wuselwatze“ vertont. Mit dabei waren auch die inzwischen verstorbene, langjährige Lesepatin Ursel Eiff und der damals neu hinzugekommene Florian Schmanke. Die Geschichte ist seitdem als Tonie-Figur in der Stadtbibliothek ausleihbar.

Zum Engagement gehört weit mehr als der eigentliche Vorlesetermin. Im September trafen sich die Lesepatinnen und Lesepaten zur gemeinsamen Vorbereitung. In der Vorlesesaison übernimmt jeder Ehrenamtliche in der Regel zwei bis drei Termine – etwa beim „Lesen auf der Insel“, beim Bilderbuchkino oder beim „Lesestart-Zeit“. Auch bei Werbung und dem Abschlussfest im Mai helfen die Ehrenamtlichen mit. Sabine Birkemeyer, Leiterin des Kinderhauses Effax in Auerbach, unterstützt die Runde gemeinsam mit dem Bibliotheksteam regelmäßig bei Planung und Organisation. Sie ist außerdem mit ihrer pädagogischen Expertise eine gefragte Ansprechpartnerin.

Seit 2022 besteht zudem eine enge Kooperation mit dem Familienzentrum Bensheim. Während der Schließzeit der Bibliothek konnten dort Räume für die Vorleseangebote genutzt werden. Auch für das „Zwergenschmökern“ wird gemeinsam geworben. Das Format für die Kleinsten wird von Claudia Daum durchgeführt.

„Es ist schön zu sehen, wie unsere Lesepatinnen und Lesepaten auf eigene Weise die Vorlesestunden prägen“, betont Mareike Holkenbrink, die stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek. Und genau diese Vielfalt macht das Angebot aus. Mal steht eine besonders spannende Geschichte im Mittelpunkt, mal Musik, Bilder oder mehrere Sprachen. Mal kommt sogar ein Hund mit. Was alle verbindet, ist die Freude daran, Kindern Geschichten näherzubringen.

Vorlesestunden für Kinder gibt es in der Stadtbibliothek bereits seit vielen Jahrzehnten. Ganz früher waren es die sogenannten „Lese-Omis“, die einmal im Monat vorgelesen haben. Aus diesen Anfängen ist inzwischen ein vielfältiges Angebot geworden. Geblieben ist das Wichtigste: Menschen, die sich Zeit nehmen und ihre Begeisterung für Geschichten mit Kindern teilen.

Wer selbst Lust hat, sich ehrenamtlich als Vorlesepatin oder Vorlesepate zu engagieren, kann sich gerne an das Team der Stadtbibliothek Bensheim wenden: Telefon 06251 14-444, Mail an bibliothek@bensheim.de.

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