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Zwischen Virtuosität und Spielfreude: „Podium Junger Künstler“ begeistert das Publikum

Bensheim | 17. Juni 2026 Wer am vergangenen Sonntagvormittag das Foyer des Parktheaters betrat, wurde schnell eines Besseren belehrt, falls er Musikschulkonzerte für reine Pflichttermine mit pädagogischem Charakter hält. Die Matinée der Reihe „Podium Junger Künstler“ zeigte vielmehr, wie lebendig, vielseitig und überraschend ein musikalischer Streifzug durch mehrere Jahrhunderte sein kann – und wie viel Persönlichkeit junge Musikerinnen und Musiker auf die Bühne bringen.

Schon die Begrüßung durch die kommissarische Schulleiterin Justyna Greupner verlieh dem Konzert einen besonderen Rahmen. Mit viel Sachverstand und einer spürbaren Begeisterung führte sie das Publikum durch das abwechslungsreiche Programm und machte dabei die außergewöhnliche Bandbreite der Musikschule deutlich – vom Solobeitrag bis zum Ensemble, von Barock bis Pop, von bekannten Klassikern bis zu modernen Eigeninterpretationen.

Für einen besonders emotionalen Auftakt sorgte zudem ein Redebeitrag der Elternschaft, die das jahrzehntelange Engagement des kürzlich in den Ruhestand verabschiedeten Schulleiters Helmut Karas würdigte. Die spürbare Anerkennung für sein Wirken, verbunden mit der Freude darüber, dass er der Musikschule weiterhin als Lehrerkollege erhalten bleibt, verlieh dem Vormittag eine herzliche und zugleich feierliche Atmosphäre, die das gesamte Konzert begleiten sollte.

Musikalisch eröffnete das Geschwisterpaar Jari und Tomke Finn mit dem schwungvollen „5 Tanten Boogie“ den Reigen und sorgte mit augenzwinkernder Leichtigkeit für beste Stimmung. Kurz darauf wechselte die Atmosphäre mühelos in eine kammermusikalische Begegnung, indem Lukas Römer gemeinsam mit seinem Lehrer Andreas Riechers ungarische Volkslieder für zwei Klarinetten erklingen ließ. Greta Toffel setzte anschließend mit Jean Sibelius’ „The Spruce“ Op. 75 No. 5 einen ruhigen Kontrapunkt. Das Klavierstück, das den stillen, kraftvollen Charakter einer Fichte musikalisch nachzeichnet, lebt von feinen Klangfarben und einer zurückhaltenden Melancholie – Eigenschaften, die die junge Pianistin eindrucksvoll und einfühlsam herausarbeitete.

Dass musikalische Entwicklung und Wettbewerbserfolge Hand in Hand gehen können, zeigte sich bei den Ehrungen der erfolgreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Jugend musiziert“. Greta Toffel sowie später Haomeng Zhang, Leander Brandt, Lilly Breckau, Berkin Bozkaya, Naemi Fefler und Holger Mehling erhielten Anerkennung für ihre Leistungen auf Regional- und Landesebene und standen damit stellvertretend für die intensive Arbeit der Musikschule.

Das Programm überzeugte vor allem durch seine stilistische Offenheit. Auf die lyrische Klarinetten-Ballade von Leander Brandt und Andreas Riechers folgte mit

Alexander Ivanovs Gitarreninterpretation des Pop-Hits „Payphone“ ein Ausflug in die Gegenwart, bevor Triana Abdel-Karim und Shuhan Tong den ersten Satz aus Antonio Vivaldis Doppelkonzert für zwei Violinen präsentierten. Der barocke Komponist verstand es wie kaum ein anderer, Solisten in einen lebendigen musikalischen Dialog treten zu lassen – ein Wechselspiel, das die beiden jungen Geiger mit sichtbarer Spielfreude gestalteten.

Besonders innig geriet Sarah Jovendas Interpretation von Wolfgang Amadeus Mozarts Lied „Abendempfindung“ KV 523. Das Werk, das sich mit der Vergänglichkeit des Lebens auseinandersetzt, gehört zu den empfindsamsten Liedern des Komponisten und gewann durch den gefühlvollen Vortrag durch die junge Sängerin eine berührende Unmittelbarkeit.

Wenig später sorgte das Percussion-Ensemble, darunter Samuel Banasek, Emil Stumpf, Jakob Tischer, Konstantin Lütten und Helmut Karas, mit „Mambo Africano“ für einen temperamentvollen Stimmungswechsel und brachte pulsierende Rhythmen und farbenreiche Klangwelten ins Parktheater.

Auch die weiteren Beiträge zeigten eindrucksvoll, wie facettenreich musikalische Ausbildung sein kann. Julian Heisner verlieh Robert Schumanns Romanze Op. 94 auf der Oboe einen warmen, gesanglichen Ton und ließ die romantische Sehnsucht des Werkes eindrucksvoll aufleben. Naemi Fefler und Holger Mehling überzeugten im Klarinetten-Duo von Conradin Kreutzer mit feinem Zusammenspiel und ausgewogener Klangkultur.

Zu den Höhepunkten des Vormittags zählte der erste Satz aus Camille Saint-Saëns’ erstem Cellokonzert, den Mathis Trost mit beeindruckender Präsenz und technischer Souveränität gestaltete. Das Werk, ein Paradestück der klassischer Cello-Literatur, verzichtet auf die strikte Unterteilung in klar getrennte Sätze und entfaltet seine Energie in einem nahezu ununterbrochenen musikalischen Fluss – eine Herausforderung, die der junge Cellist gemeinsam mit der sensiblen Klavierbegleitung von Yaeko Albrecht überzeugend meisterte.

Den Schlusspunkt setzte Fabian Rentzsch mit Claude Debussys „Jardins sous la pluie“, einem impressionistischen Klanggemälde voller perlender Läufe und schillernder Farben, das den Regen ebenso hörbar machte wie die Leichtigkeit eines Sommergartens.

Nach dem letzten Ton rückte die Musik noch einmal in den Dienst der Gemeinschaft. Blumengrüße und Gratulationen würdigten die Leistungen der jungen Musikerinnen und Musiker sowie die engagierte Arbeit von Klavierbegleiterin Yaeko Albrecht. Besonders bewegend wurde es, als ein Ensemble des Erwachsenenchors den langjährigen Schulleiter Helmut Karas musikalisch verabschiedete. Den Schlusspunkt setzte schließlich das Lehrerkollegium mit einer ebenso kreativen wie humorvollen Bodypercussion-Einlage, die zwischen „Tschüss, mach’s gut“ und „Es war eine schöne Zeit mit dir“ augenzwinkernd Abschied nahm.

So blieb am Ende der Eindruck einer Matinée, die weit mehr war als eine Leistungsschau musikalischer Talente. Sie zeigte, wie selbstverständlich sich in der Musikschule Bensheim Klassik und Pop, Wettbewerb und gemeinsames Musizieren, künstlerischer Anspruch und persönliche Begegnung verbinden – und dass ein Sonntagvormittag im Parktheater mühelos zum kulturellen Höhepunkt werden kann.

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